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Interrobang präsentiert eine politische Theaterperformance in Göttingen

Mehr Alkohol Interrobang präsentiert eine politische Theaterperformance in Göttingen

Plötzlich brennt Frankreich. Zweimal konnte die europäische Regierung nicht überzeugen, und die geplanten Maßnahmen wollten die Bürger nicht finanzieren. Auf französischen Straße kommt es zu Ausschreitungen, Wut über den Unwillen der Politik, Molotowcocktails fliegen.

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Sehr bunt: das politische Europa – und im Zentrum der Mensch?

Quelle: EF

Göttingen. Die Berliner Theatergruppe Interrobang zeigt mit ihrem Gastspiel im Jungen Theater, wie schwierig es ist, in einem politischem Europa den Wünschen, Forderungen und Ansprüchen aller Mitgliedsstaaten gerecht zu werden.
Das Stück „Preenacting Europe“ ist eine Performance mit ungewissem Ausgang. Aus den Zuschauern wird ein Wahlvolk, das sich ständig entscheiden muss. Wollen wir politische Ämter verlosen, damit jeder eine Chance hat? Wollen wir uns verpflichten, unsere Dachböden auszubauen, damit darin Flüchtlinge untergebracht werden können? Wollen wir Olivenöl aus der Lausitz?

Drei Akteure spielen die Vorstände von drei europäischen Parteien, die immer wieder versuchen, sich gegenseitig zu blockieren. Ordnung bringt Dorothea Schmans als Schiedsrichterin rein. Ihre Rolle bildet einen unnachgiebigen und seriösen Gegenpart zu den Parteivertretern, deren Ideen manchmal überzeichnet und krude wirken.

Gerade bei den Wahlkampfreden am Anfang des Abends sagen die Parteien aber vieles, was die EU-Bürger aus der Realität kennen. „Europa, sie mögen deine vielen Gesichter, aber sie fürchten die Schere zwischen Arm und Reich“, sagt Till Müller-Klug als Parteivorstand. Und als Vertreterin der fiktiven Europäischen Schwarmpartei erklärt Nina Tecklenburg: „Wenn ich heute an Europa denke, dann denke ich an Länder, die sich gegenseitig ausspielen.“ Eine Aussage, die sich etwa auf das deutsche Misstrauen gegenüber Griechenland nach den dortigen Parlamentswahlen beziehen lässt.

Gerade solche Bezüge machen das Stück spannend. Aber auch die Tatsache, dass die Schauspieler nach jeder Publikumsentscheidung eine neue Situation kreieren. Irgendwann steigt Spanien aus der EU aus. „Spanien, ich hoffe, ihr wart so schlau und habt euer Geld nach Italien transferiert“, sagt Lajos Talamonti, dessen Partei inzwischen die Regierung stellt. Aber diejenigen Zuschauer, die die Spanier darstellen, wollen weiter mitentscheiden dürfen, und suchen sich andere Plätze. Sie wandern aus. „Jetzt haben wir es hier offensichtlich mit einem riesigen Flüchtlingsproblem zu tun“, kommentiert Tecklenburg die neue Situation.

„Preenacting Europe“ ist ein politisches Stück, das Spaß macht. Das Publikum spielt mit, ärgert sich über falsche Entscheidungen oder setzt sich für die richtigen Ideen ein. Ein Experiment, das in Göttingen gelingt. Auch wenn am Ende die EU kurz vor dem Kollaps steht. Aber es gibt Schnaps. Dafür steht nämlich die regierende Partei. In schwierigen Zeiten plädiert sie für den erhöhten Konsum von Alkohol. Auch da machen die Zuschauer mit, und holen sich ein Gläschen auf der Bühne ab. Sicher nicht die beste Lösung in einer Krise, aber an den gutgelaunten Zuschauern lässt sich zumindest ablesen, dass sie funktioniert.

Von Daniela Lottmann

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