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Isländischer Songwriter im Göttinger Apex

Komiker, Kobold und Troubadour Isländischer Songwriter im Göttinger Apex

Svavar Knútur, mit wuseligem Haar und kräftiger Figur ausgestattet, stammt von den schroffen westlichen Fjorden Islands. Auf der Bühne des ausverkauften Apex präsentierte er mit großem körperlichen Einsatz humorige Geschichten und stimmungsvolle, nordisch-entrückte Folksongs.

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Mit großem körperlichen Einsatz auf der Bühne: Svavar Knútur.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Knútur singt mit samtener Stimme folkloristische Lieder in einer Mischung aus Melancholie, Hingabe, Humor, einer Prise Ironie und der Handschrift eines leidenschaftlichen Geschichtenerzählers. Dabei begleitet er sich einfühlsam auf der Gitarre oder Ukulele.

Drei Stücke habe er zu Beginn im Programm, die von Weltschmerz, Waldeinsamkeit und Wanderlust handeln. Diese seien wichtig für seinen Set, um das Publikum in seine „Bubble“ zu bekommen, wie er humorig hinzufügt. Das Publikum reagiert, Knútur auch. Für ihn sei jetzt „eine Galaxie geboren“.

Schnell wird klar, dass dies kein normaler Konzertabend wird. Immer wieder unterbricht Knútur seine musikalische Darbietung mit epischen Geschichten über Erlebtes. Auf eine exzentrische „Beyonce“-Imitation folgt eine eindringliche Schilderung seiner Erlebnisse zur Eröffnung des „World Chess Championship“ in Island.

Dabei ahmt er die reaktionslos nur auf ihre Bretter starrenden Spieler nach. Zu jedem Stück fällt ihm ein Kommentar ein. „Curtain“ habe er in Dänemark während eines Songwriter Contest komponiert und lässt in der Folge kein gutes Haar an den Dänen. Trotz seiner Entstehung in Dänemark sei der Song aber doch sehr schön geworden.

Einmal in Fahrt schlägt er auch gleich eine Brücke nach Schweden. Dort gäbe es eine „ Dance Police“ ohne Uniform, die nachts durch die Fenster von Bars schaue. Wenn sie dann dort Jemanden tanzen sähe und die Bar habe keine Tanzkonzession, könne sie diese schließen.

Das von Beginn an begeisterte Publikum geht mit und erfährt auch noch, dass es in Island zur Etikette gehört, sich nicht über Leute lustig zu machen, die man nicht mag.

Knútur redet sich förmlich in einen Rausch. Dabei tobt und tanzt er sich mit großer mimischer Unterstützung wie ein Kobold auf der Bühne aus und spart auch nicht mit kritischer Selbstbetrachtung. Er sei nicht pummelig, er sei saftig.

Zum Ende wird es dann noch mal romantisch. Knútur huldigt eindringlich seinen favorisierten Songwritern Cole Porter und Daniel Johnston mit „Everytime we say goodbye“ und „True love will find you in the end“. Komiker, Kobold und Troubadour, Knútur vereint diese Facetten mit schauspielerischem Talent zu großem Unterhaltungswert.

Von Jörg Linnhoff

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