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Italienische Orgel aus dem Jahr 1844 in St. Jacobi Göttingen eingeweiht

Hochmusikalisch Italienische Orgel aus dem Jahr 1844 in St. Jacobi Göttingen eingeweiht

Gut 170 Jahre ist sie alt, stammt aus dem Süden Europas, ist hochmusikalisch und steht neuerdings in der Jacobikirche rechts vor dem Altarraum. „Die Italienerin“ sei sie von ihren Fans getauft worden, berichtete Pastor Harald Storz in seiner Begrüßung: eine kleine, hochfeine Orgel mit einem Manual, gebaut 1844, die am Freitag in St. Jacobi eingeweiht wurde. Sie ist ungefähr so groß wie ein dreitüriger Kleiderschrank, vielleicht ein bisschen höher.

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Erläutert das Klangideal italienischer Orgeln: Stefan Kordes.

Quelle: Heller

Göttingen. Das Klangideal italienischer Orgeln ist, wie Jacobi-Kantor Stefan Kordes erläuterte, anders als hierzulande üblich.

Sie sind weicher im Ton, erfüllen mit ihrem Brausen nicht das ganze Kirchenschiff oder wühlen mit abgrundtiefen Bässen in den Eingeweiden der Hörer, sondern machen durchsichtige, schlanke, sangliche Musik. Vor allem dann, wenn man das für sie komponierte Repertoire der Renaissance spielt, etwa die Musik von Girolamo Frescobaldi (1583-1643).

Musik der Renaissance sollte man in der damals üblichen Stimmung spielen, der sogenannten mitteltönigen. Die seit Bachs Zeiten gebräuchliche gleichschwebende Stimmung ermöglicht zwar die Nutzung aller denkbaren Tonarten, wie Kordes’ Kollege Arne zur Nieden an der großen Orgel demonstrierte. An der mitteltönigen Orgel sind nur wenige Tonarten nutzbar, die anderen klingen grauslich verstimmt, was Kordes eindrucksvoll an der „Italienerin“ vorführte.

Dafür aber besitzen die „guten“ Tonarten wie C-Dur, a-Moll, F-Dur, d-Moll, G-Dur oder e-Moll eine ganz besondere Reinheit, vor allem wunderschöne Terzen. Kommen in einer Komposition die Halbtöne in Form einer chromatischen Tonleiter hintereinander vor, so haben die eine ganz charakteristische Ungleichmäßigkeit. Sie sind rau, uneben, kantig, böse – bis sich diese Schroffheiten in die ausgewogene Klarheit eines reinen Dreiklangs auflösen.

„Das darf nicht gegeneinander aufgerechnet werden“

Das wurde besonders am Schluss der Toccata settima von Michelangelo Rossi deutlich. Dazu führte Kordes weitere kleinere Kompositionen dieser Epoche von Byrd, Sweelinck und Frescobaldi vor, in denen er die reizvollen klangfarblichen Möglichkeiten der verschiedenen Register präsentierte, etwa die leicht schwebende „Voce umana“ (menschliche Stimme) in der Toccata IV „per l’elevazione“ von Frescobaldi.

Reich verziert waren diese Toccaten, Tänze und Fantasien. Manchmal klang es, als hätten sich die schlichten Melodien mit kleinen Löckchen herausgeputzt.

Superintendent Friedrich Selter schwärmte in seinem Grußwort von der Schönheit dieses Orgelklanges und nannte das neu erworbene Instrument „eine Sensation“ mit einem „unglaublich authentischen Klang“. Außerdem betonte er, dass sich die Gemeinde St. Jacobi gleichermaßen für Kultur wie für Diakonie einsetze: „Das darf nicht gegeneinander aufgerechnet werden.“

Zum Schluss des Einweihungskonzertes dankte Kordes den zahlreichen Gönnern, die zur Finanzierung der Kaufsumme – „im unteren fünfstelligen Bereich“, so der Kantor auf Nachfrage – beigetragen hätten. Es seien so viele Spenden zusammengekommen, dass man dieses Instrument „eine Orgel der Göttinger Bürger“ nennen könne.

Von Michael Schäfer

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