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Wer hat am Ende alles weggeputzt?

JT-Premiere: „Liebe, Leid und Limonade“ Wer hat am Ende alles weggeputzt?

Fünf Spielclubs gibt es im Jungen Theater, die ihre Arbeit auch präsentieren. Die erste Premiere der Spielzeit hat der Ausreißerclub mit der Produktion „Liebe, Leid und Limonade“, unter Leitung von Peter Christoph Scholz, gezeigt. Stürmisch drängend mit berühmten Charakteren Goethes und Schillers.

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Janja-Ana Kosova, Mia Brouër, Lucie Udelhoven, Christoph Reuter (v.l.) Foto: Scholz

Quelle: Peter-Christoph-Scholz

Göttingen. Göttingen

Rebellion, leidenschaftliche Liebe bis in den Tod hinein, eine grenzenlose Sehnsucht nach Freiheit und die unbändige Suche nach dem eigenen „Ich“. Im „Sturm und Drang“, als eine Folge der Aufklärung, prallten verschiedene Geisteshaltungen aufeinander. Nicht umsonst wird die Epoche (1767 bis etwa 1790) auch als Pubertät der deutschen Literatur bezeichnet.

„Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe und Schillers „Kabale und Liebe“ zählen zu den wichtigsten Werken dieser literarischen Epoche. Doch, - und da kommt der Ausreißerclub des Jungen Theaters (JT) ins Spiel - was ist, wenn die berühmten Charaktere nicht alleine waren? Wer hat eigentlich den Schmuck überbracht? Hat vielleicht jemand die Briefe vertauscht? Und noch schlimmer: Welche dienstbaren Geister haben am Ende aufgeräumt und geputzt, wenn alle dahin waren?

Mit ihren Dichtungen und Ideen kämpften Goethe, Schiller und andere junge Literaten gegen die damaligen Verhältnisse, gegen die Fürstenwillkür und gegen das Verprassen von Geldern. Aber wie sind die Verhältnisse heute und wie verhalten wir uns dazu? Genau diese Fragen haben sich auch die elf Spieler des „Ausreißerclubs“ (14 bis 17 Jahre) gestellt und unter Leitung von Peter Christoph Scholz (auch Kostüm) ein eigenes 90-minütiges Stück entwickelt.

Der dramaturgische Kniff dabei ist so einfach, wie der Stoff effektvoll und auf bemerkenswert klassisch-moderne Weise interpretiert. So wie im „Sturm und Drang“ verstärkt Themen und Personen sozial niedriger Stände mit einbezogen werden, steht nun genau deren Perspektive, Denken und Fühlen im Mittelpunkt des Theaterstücks. Politische, gesellschaftliche und menschliche Missstände werden offen angeklagt.

In einem Gasthaus im Irgendwo gerät hier eine Dienerschaft mitten hinein in die Kabale und Liebe zwischen Lotte, Werther, Wurm, Luise, Ferdinand und Lady Milford. Im Auge des Sturms beobachtet, belauscht und betratscht das Dienstpersonal das Leben der Herrschaften und versucht dabei, nicht selbst in den Strudel zu geraten.

Ideenreich, witzig und hintergründig ist die Inszenierung, die Bildsprache von Klarheit geprägt. Ganz konzentriert gehalten, setzen Bühnenbild (Projektionen/Design: Mandy Wolf) und Kostüme einen ruhigen Kontrapunkt zu dem mitunter sehr quirligen Treiben, das von großer Spielfreude getragen wird.

Alle etwa auf einem Niveau agierend, spielen die elf Akteure sehr harmonisch als Ensemble zusammen. Keck und ungestüm erinnert die Dienerschaft mitunter an weise Narren, die den Überblick behalten, das Geschehen kommentieren und teils sogar vorantreiben. Als Zuschauer lässt man sich gerne von den herrlich lebendigen Figuren durch die vielschichtig gebrochenen Geschichten und den schönen Bilderreigen mitnehmen. Eine gelungene Inszenierung. Bravo.

Weitere Vorstellungen am 15. Mai um 11 Uhr (Schulvorstellung, Anmeldung erforderlich) und 20 Uhr, am 22. Mai um 18 Uhr und am 21. Juni um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

Zum Ensemble des Ausreißerclubs gehören: Mia Brouër, Paloma Löning Caballero, Jan Kaplaneck, Janja-Ana Kosova, Emma-Carlotta Leonhardt , Klara-Marie Mädler-Misler, Saskia Michael, Christoph Reuter, Clara Salditt, Lucie Udelhoven, Cepanta Yegani. Die nächste Premiere eines der Spielclubs am Jungen Theater ist am 26. Mai. Der Club Göttingen zeigt „Der Zusammenstoß“. Eine Stückentwicklung mit Live-Musik nach dem dadaistischen Opernlibretto von Kurt Schwitters. Die Leitung hat Agnes Giese.

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