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Jahrhundertealte indische Musik

Eine musikalische Reise mit Dhrupad, Raga und Tanpura Jahrhundertealte indische Musik

Ein Hauch Indien weht im zweiten Konzert, das am Donnerstag im Rahmen des 15. Internationalen Kongress der Gesellschaft für Musikforschung (GfM) gegeben wurde, durch die Aula am Wilhelmsplatz.

Göttingen. Amelia Cuni, Werner Durand, Raymond Kaczynski und Federico Sanesi präsentieren ihrem Publikum das Programm „Cosmopoli@n Ragas“, klassische indische Musik, wie sie seit Jahrhunderten in Tempeln und an Höfen praktiziert wird.

Außergewöhnlicher Konzertabend

Eröffnet wird dieser außergewöhnliche Konzertabend mit einem so genannten Dhrupad. Im Schneidersitz hält Cuni eine Tanpura in der Hand, ein mit Metallsaiten bespanntes Instrument der Lautenfamilie, das einen bordunähnlichen Klang erzeugt und als klassisches Begleitinstrument des Dhrupad gilt. Ihr improvisierter Gesang dazu besteht aus ineinander fließenden Silben ohne feste Bedeutung, der Klang ihrer Stimme und ihres Instrumentes wirken geradezu meditativ: Sie stellt den Charakter einer feststehenden und zuvor gewählten Tonskala, den so genannten Raga vor. Nachdem der Raga definiert wurde, setzt auch Sanesi, ebenfalls auf dem Boden sitzend mit seinem Trommelspiel ein. Er orientiert sich dabei an Handzeichen, die er von Cuni erhält. Allmählich immer schneller werdend entsteht durch die Kombination aus Gesang, Bordun und Rhythmus ein komplexes musikalisches Geflecht aus zunächst ungewohnten Klängen.

Gesang an die römische Mondgottheit

Dann stellen die Musiker zwei Arbeiten Cunis und Durands zum Thema Dhrupad vor: „Ashtayama – Song of Hours“, ein Gesang an die römische Mondgottheit und, die Stimmung der Zeit vor dem Sonnenaufgang besingend, „Already awake in the night“. Cunis Gesang und Tanpuraspiel erklingen nun aus einem Computer-Lautsprecher, dazu singt sie selbst. Um sie herum wird getrommelt, geklopft, gerasselt. Gongs und Glocken werden geschlagen, zum Teil selbstgebaute Blasinstrumente erklingen. Es wird schnell, langsam, laut und leise. Kaum hörbar, doch mit höchster Geschwindigkeit fliegen Sanesis Finger über die Felle seiner Trommel. Cuni untermalt die Musik bisweilen mit tänzerischen Handbewegungen.

Zum Abschluss des Abends erklingt, wie schon am ersten Konzertabend des Kongresses, Musik von John Cage, der in den 1940er Jahren in Kontakt mit indischer Musik kam und daraufhin „18 microtonal ragas“ komponierte. Auszüge aus seinem „Solo for Voice 58“ betitelten Werk, das die traditionellen indischen Konventionen nicht ganz befolgt, runden das Programm ab. Und auch Cages Liebe zu Musik mit Alltagsgegenständen spiegelt sich hier noch einmal in den letzten Klängen des Konzertes: Würfel rollen über den Bühnenboden der Aula, Wasser wird in eine Schale geschöpft.

Von Tina Evers

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