Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Jakes Frauen

Premiere im Theater im OP Jakes Frauen

Jake ist Schriftsteller. Offenbar halbwegs erfolgreich – bis sich die Frauen in seinem Kopf verselbständigen. Er ist kurz davor, alles zu verlieren. „Jakes Frauen“ von Neil Simon hatte am Dienstagabend Premiere im sehr dünn besetzten studentischen Theater im OP (ThOP). Regie führte der erfahrene Klaus-Ingo Pißowotzki.

Voriger Artikel
Zimmermanns hübsche Anekdoten
Nächster Artikel
Paradiesische Perspektiven

In der Klemme: Jake (Martin Liebetruth), bedrängt von Ehefrau (Monika Giro, links) und Geliebter (Anika Bittner).          

Quelle: Opitz

Göttingen. Klein ist das Zimmer, in dem Jake seine Bücher schreibt, nur dreimal drei Meter groß. Doch hier hat er alles im Griff. Hier erschafft er seine eigene Welt, eine, in der nur er das Sagen hat. Doch wenn er das Zimmer verlässt, ist dort seine Ehefrau Maggie. Acht Jahre sind sie nun schon verheiratet, Maggie hat sich verändert. Sie ist jetzt im Vorstand eines Unternehmens und arbeitet viel. Jake spürt, das es kriselt in ihrer Ehe.

Doch Jake hat ja noch seine anderen Frauen. Da ist seine extravagante Schwester Karen, die das Gute will und so oft auf die Nerven geht. Molly begleitet Jake durchs Leben, denn sie ist seine Tochter aus der Ehe mit Julie, die sehr jung bei einem Autounfall starb. Jakes Analytikerin heißt Edith, seine Geliebte Sheila. Manchmal taucht eine von ihnen auf, meist aber stellt Jake sie sich nur vor.

Jake spricht  mit ihnen in seiner – sehr lebhaften – Fantasie. Er taucht immer mehr ab in seine Psychosen und ist dabei doch geistreich, charmant und eloquent. Deswegen geht das Simon-Stück auch als Gesellschaftskomödie durch.

„Jakes Frauen“ verzichtet auf hollywoodschen Slapstick-Humor. Hier geht es nicht um Tempo und rasantes Spiel sondern um geschliffene Dialoge und Wortwitz. Das allerdings birgt die Gefahr von Längen, die Regisseur Pißowotzki auch nicht ganz eliminiert hat. Dafür aber hat er sein Ensemble mit viel Routine aus seinem langjährigen Engagement beim ThOP sehr versiert angeleitet – allen voran Martin Liebetruth, ebenfalls ein ThOP-Urgestein.

Liebetruth ist die Rolle des Jake wie auf den Leib geschrieben. Spielt er ihn noch oder lebt er ihn schon? Vom Normalbürger bis zum Getriebenen zeigt er beeindruckend viele Facetten. Erstaunlich stark agiert auch Monika Giro als Ehefrau Maggie – vielleicht aus persönlicher Erfahrung heraus. 2005 wurde Giro von einer Jury zu Deutschlands Familien-Managerin des Jahres gewählt. Sie hatte ihre neun Kinder und sich aus ihrem brennenden Haus gerettet. Später lebte die elfköpfige Familie auf engstem Raum. Das bringt einen reichen Erfahrungsschatz.

Dieses Paar tummelt sich gemeinsam mit den restlichen sechs Frauen des Ensembles auf einer spartanischen Bühne, die nichts zum Unterhaltungswert der Inszenierung beiträgt. Für den ist vor allem einer zuständig – Liebetruth.

Weitere Vorstellungen: 8., 9., 15., 16., 18., 19., 20., 22. und 23. Juli um 20.15 Uhr, am 7. Juli bereits um 19 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff