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Göttingen Auf den Punkt gebracht

"Zeichnungen", nicht "Große Worte" ist die Ausstellung von Jan-Jacek Sobecki in der Galerie Art Supplement überschrieben. Ebenso ist sie eröffnet worden. 

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Quelle: r

Göttingen. "Wie es seine Art ist, wollte er kein Aufhebens um seine Person machen",  schickte  Jörg Dreykluft von der Galerie Alte Feuerwache voraus, bevor er überleitete zu Josef Hilker, der mit einem leichten Gitarrenstück in die Ausstellung einleitete. Außer einer kurzen Einführung von Miriam Hilker war es das - nicht einmal zehn Minuten später hatten die Besucher der Vernissage Gelegenheit, sich mit den Werken Sobeckis zu beschäftigen. 

Der künstlerische Leiter der Galerie stellt bis Ende Juli unter seinem Vornamen aus. Zu sehen gibt es kleinformatige Werke auf Papier, Jan-Jacek hat sie mit Tusche und in Aquarelltechnik gestaltet. Das Format erkläre sich aus der Vorliebe Jan-Jaceks, unterwegs zu arbeiten, erklärt Miriam Hilker. "Die Zichnungen entstehen im Café, an Orten, an denen man zur Ruhe kommt", sagt sie. Jan-Jacek bestätigt, das Ritual des Kaffeetrinkens habe einen festen Platz in seinem Alltag wie auch in seinem künstlerischen Schaffen. Obwohl er sich dabei mitten im Geschehen befinde, habe er auf diese Weise Gelegenheit, sich intensiv und konzentriert mit seinen Werken zu beschäftigen. 
Konzentration und Ruhe im Gegensatz zu der ihn umgebenden Schnelllebigkeit - das ist es, was Jan-Jacek in seinen Bildern zeigt. Dabei bricht er etwas auf, das im Alltag der meisten Menschen ein festes Ritual geworden ist: Ein Motiv wird mit einem Tippen auf das Display zu einem Bild, zusammengesetzt aus unzähligen Pixeln. Binnen kürzester Zeit ist es da, ein Abbild der Zeit, in der wir Leben. Jan-Jaceks Bilder bestehen ebenfalls aus Pixeln, lauter kleinen Punkten, die er - manchmal einfach mit einem Edding auf eine Postkarte - bringt. Sie dienen nicht dazu, später Erinnerungen zu ermöglichen, wie es Handy-Fotos vielleicht täten. Sie entstehen aus Erinnerungen, wie er sagt. Oder aus Träumen, die er zu einem Bild zusammenfasst. Oder aus dem Konzentrat dessen, was ihm nach der Lektüre eines guten Buches als Essenz geblieben ist. So finden sich beispielsweise die Figuren Ikarus und Don Quijote mehrfach in den Werken wieder. "Figuren, die mich einfach beschäftigen", sagt der Mann im hochgeschlossenen schwarzen Hemd und mit schmaler Brille, dessen Kleidung ähnlich minimalistisch wirkt wie seine Kunst in dem schlicht gehaltenen weißen Raum.
Die Zeichnungen zeigen nicht realistisch und in allen Farben, wie Jan-Jacek die Welt wahrnimmt. Sie zeigen minimalistische Konzentrate, die manchmal wirken wie alte Fotografien in grobkörniger Auflösung, manchmal wie Mosaike oder stark reduzierte Radierungen und manchmal wie Schwarz-Weiß-Kopien. Nur wenige der Motive sind farbig gestaltet - ebenfalls eine Folge der Produktion unterwegs, wie Jan-Jacek sagt. Je weniger er bei sich habe, um seine Kunst entstehen zu lassen, desto effektiver sei die Arbeit für ihn zu gestalten. Geplant gehe er dabei nicht vor. Manchmal beginne er - im Innehalten - einfach mit einem Punkt.

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Von Redakteur Nadine Eckermann

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr