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Jan Langenheim inszeniert „Aus der Welt der Hochstapler“ im JT

Lug und Trug Jan Langenheim inszeniert „Aus der Welt der Hochstapler“ im JT

Als sich die Türen öffnen und die Zuschauer den Theatersaal betreten, wird nicht wie üblich ihre Eintrittskarte eingerissen und entwertet. Stattdessen werden ihnen Broschüren in die Hand gedrückt. „Darf ich ihnen das mitgeben?“, fragt Constanze Passin als forsche Verteilerin und setzt ein Lächeln auf. Hier stimmt etwas nicht.

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Jäger und Gejagte: Philip Leenders, Constanze Passin, Gintas Jocius, Elisabeth-Marie Leistikow und Dirk Böther (von links).

Quelle: Eulig

Göttingen. Es sind keine Stühle zu sehen, keine Zuschauertribüne, keine Bühne. Stattdessen stehen unterschiedlich große Quader im Raum, auf denen weitere Stapel der Broschüren liegen.

„Göttingen Mitte. Die Welt sehen – mit Sternenaugen“ ist auf den Flyern zu lesen. An der Wand hängen Plakate mit Grundrissen und Fotos einer Luxuswohnung. Das Junge Theater hat sich in eine Immobilienmesse verwandelt.

„Krull/Ripley – Aus der Welt der Hochstapler“ heißt das Stück, das so beginnt. Die Regiearbeit stammt von Jan Langenheim. Die Schwindeleien beginnen, noch bevor die Zuschauer ihre Plätze eingenommen haben. Die Schauspieler und der Dramaturg Udo Eidinger mischen sich unter das Publikum und verwickeln ihre potentiellen Kunden in Verkaufsgespräche.

„Eine elegante ‚Göttingen-Mitte‘-Zweitwohnung im Herzen von Göttingen mit exklusiver Nutzung der haus­eigenen Annehmlichkeiten ist der perfekte Ort für den Anfang Ihrer Liebesaffäre mit Göttingen“, ist auf einem Plakat zu lesen. Man wittert Bauernfängerei.

Irreführung und Schummelei

Das Stück vermischt die Romane „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ von Thomas Mann und „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith zu einem Konglomerat aus Irreführung und Schummelei. Feste Rollen gibt es nicht. So nennt Gintas Jocius schon zu Beginn seinen echten Namen und erzählt, dass er Schauspieler sei.

Er empfängt das Publikum auf der Tribüne, die erst zum Vorschein kommt, als hohe Stellwände weggerollt werden. Ein Schauspieler, der einen Schauspieler spielt, wie er sagt. Der auch andere Namen für sich beansprucht, darunter Felix Krull und Tom Ripley. Das wirkt verwirrend. Und das ist volle Absicht, denn Täuschung und das Vorspielen falscher Tatsachen gehören zum Handwerkszeug eines jeden Hochstaplers. „Ich kann alles mögliche. Ich kann kellnern. Kinder hüten. Unterschriften fälschen“, sagt Robert Oschatz als hochmütiger Schwindler.

In dem Stück wird viel erzählt. Szenen wechseln schnell, Orte verändern sich, Rollen werden getauscht. Abwechselnd schlüpfen die Schauspieler in die Rollen von Jägern und Gejagten. Unbändige Freude, wenn ein Plan aufgeht, und das bedrohliche Gefühl bald doch gefasst zu werden, wechseln sich ab. Ein temporeicher Abend voll Lug und Trug.

Nächste Termine: 4., 7., 15. und 20. Februar, 4. März um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6. Kartentelefon 05 51 / 49 50 15.

Von Daniela Lottmann

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