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Jan Reinartz über das Motorradfahren

Toll geflogen Jan Reinartz über das Motorradfahren

Zwei Theaterhäuser stehen in Göttingen. Dazu kommen professionell arbeitende freie Theater und ein studentisches. Eine Tageblatt-Serie stellt die Schauspieler vor.

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Quelle: PH

Göttingen. In Warnemünde ist Jan Reinartz groß geworden. Im Matrosenanzug sei er „neben den Fischern lang gelaufen, die ihre Netze geflickt haben“. Seit dem Jahr 2004 gehört der Schauspieler zum Ensemble des Jungen Theaters (JT). 1989, als sich die Grenze der DDR öffnete, hatte er gerade sein Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam abgeschlossen. Statt in den Westen zu gehen, habe er den Start seiner Schauspielerkarriere in Dresden versuchen wollen, sagt der heute 51-Jährige. Der Intendant habe Interesse gezeigt, doch „die, die weg wollten, wollten plötzlich bleiben“, erklärt Reinartz. Die neue Situation nach der Grenzöffnung habe sie damals verschreckt – und ihn das Engagement gekostet. Stattdessen klappte es in Freiberg, 30 Kilometer von Dresden entfernt. „Ich hatte kein Auto und bin jeden Tag getrampt“, sagt Reinartz. Ein Ortswechsel nach Freiberg kam nicht in Frage. „Das war damals nicht so einfach“, erinnert er sich. Trotz der Schwierigkeiten habe er aber keine Probe versäumt und sei nie zu spät gekommen.

Seine nächste Station führte ihn in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt. „Ich wollte etwas anderes“, erklärt Reinartz, und das Theater sei mit einer neuen Sparte und neuem Ensemble „fast eine Neugründung“ gewesen. Doch noch lockte Berlin. Dort aber sei „nix zu machen“ gewesen. Eine Alternative bot sich in Parchim , nur etwa 100 Kilometer nördlich von der heutigen Hauptstadt. Der Intendant des Parchimer Theaters habe ihn engagieren wollen, erinnert sich Reinartz, er habe also zugesagt – und festgestellt, dass sein Vertrag für Baden-Baden galt, wohin sein künftiger Chef wechselte. „Sterbe-Resort“ sei der Kurort damals scherzhaft genannt worden, sagt Reinartz. Dort habe er dann festgestellt: „Gerade viele bedeutende Menschen zog es zum Verbringen ihres Lebensabends nach Baden-Baden.“

Schon in der DDR fuhr Reinartz Motorrad. Sein Führerschein galt für Zweiräder bis 150 Kubikzentimeter. Doch das sei ihm damals als zu langweilig erschienen. Erst ein Freund in Karlsruhe brachte ihn später wieder auf den Geschmack. Der besaß „eine 750er Kawa“, wie Reinartz sich erinnert. Die lieh er ihm. „Die dachten, ich hatte einen Unfall“, sagt Reinartz, denn er sei denn ganzen Tag durch den Schwarzwald gefahren. Heute fährt Reinartz ein „Honda seven fifty“, wie er sein Motorrad kundig nennt. Es ist das zweite. Das erste sei an einem Auto zerschellt. „Ich soll toll geflogen sein“, berichtet Reinartz. Dabei habe er sich die Speiche gebrochen.

Seit 2004 fährt er mit seiner Honda durch Südniedersachsen. „Ich habe mich in Göttingen verliebt“, sagt der Schauspieler. Wunderschön sei die Stadt, „angenehmen Menschen wohnen hier, und die Umgebung ist toll – in jede Richtung“.

Dann bringt er noch sein zweites Standbein ins Gespräch, „eigentlich mein zweiter Beruf: Sprecher“. Reinartz leiht Filmfiguren seine Stimme. Mehr noch: Er synchronisiert auch Computerspiele. Nach einer Vorstellung im JT habe ein Schüler ihm beim anschließenden Gespräch aufgelistet, in welchen Spielen Reinartz᾽ Stimme zu hören war.

Vor jeder Premiere plage ihn Angst, räumt Reinartz ein. Und was macht er nach einer Premierenvorstellung? „Trinken“, sagt er und lacht. Seine Einschätzung: „Jeder Schauspieler baut danach Stress mit Alkohol ab.“ Auf der Bühne trinke er allerdings keinen Tropfen. Seine Urlaube verbringe er „todlangweilig“. Er kümmere sich um seine alte Mutter und fahre mit der Ehefrau nach England, besuche tschechische Bäder oder gehe raus in die Natur – „und immer noch zum Zelten“.

Jan Reinartz

Geboren: 1964 in Warnemünde

Ausbildung: Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam

Status: der Ewige

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