Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Jazz-Bassist Jonas Hellborg in der Alten Brauerei in Northeim

Klangfolgen von virtuos magischer Intensität Jazz-Bassist Jonas Hellborg in der Alten Brauerei in Northeim

Jonas Hellborg, einer der renommiertesten Jazz-Bassisten dieser Zeit, wurde 1958 in Göteborg geboren. Bereits als Kind lernte er das Bassspiel und begann im Alter von 16 Jahren eine Ausbildung in Jazzmusik. Nun kam Hellborg zu einem Solo-Konzert auf die Bühne der Alten Brauerei in Northeim.

Voriger Artikel
Die Buschtrommel mit „Schonungslos“ im Göttinger Apex
Nächster Artikel
Stilbruch im Stilbrvch Göttingen

Mit geschlossenen Augen: Jazz-Bassist Jonas Hellborg auf der Bühne der Alten Brauerei.

Quelle: Linnhoff

Northeim. Der Saxophonist Michael Brecker entdeckte Hellborg 1981 auf dem Montreux Jazz Festival. Populär wurde Hellborg durch sein Mitwirken in John McLaughlins Mahavishnu Orchestra und der Zusammenarbeit mit Jazzgrößen wie Ginger Baker, Billy Cobham, Ornette Coleman oder Bill Laswell. Letzterer produzierte Hellborgs Album „The Word“, auf dem Hellborg erstmals die von Abraham Wechter entwickelte akustische Bassgitarre spielte, die zu seinem Markenzeichen wurde. Hellborg lebt inzwischen im Vogtland, wo hochwertige Instrumente aus alter Tradition hergestellt werden und auch er seine Amps und Gitarren selbst entwirft.

 

"One piece, one set" - ein Stück, ein Set, so konzipiert Hellborg gleichungsähnlich seine Konzerte. Als er die Bühne betritt, streift er erstmal seine Schuhe ab. Hellborg spielt barfuss und kann so seine Pedals besser bedienen. Nach kurzem Einstimmen folgt im ersten Teil eine dreiviertelstündige Improvisation.

 

Mit seinem akkordischen, perkussiv melodischen Ansatz mit teils bekannten Melodien und abrupten Tempowechseln lässt er Klangfolgen von virtuos magischer Intensität entstehen. Dabei wechselt Hellborg ansatzlos von klassischen Bluesschemen zu rockig, funkigen Rhythmen und fast zarten, einfühlsamen Passagen. Seine Anschläge erzeugen einen fast singenden Charakter. Schnarrende Laute, verhallt mit Nachklang, ertönen, kurze Anschläge verlaufen wellenartig, per Loops werden klangliche Dopplungen erzeugt.

 

Hellborg spielt die ganze Zeit mit geschlossenen Augen, konzentriert versunken in seiner faszinierenden Klangwelt, die er den vier Bassseiten entlockt. Das Publikum scheint ihm wie in Trance zu lauschen. Das Ende des ersten Sets lässt Hellborg humorig mit dem bekannten Pippi Langstrumpf Thema ausklingen.

 

Der zweite Set wirkt eher durchkomponiert mit teils klassischen Metren und wunderbaren Melodienfolgen. Nach indisch anmutenden Klängen glaubt man sich in einen Morricone Western versetzt, um danach fasziniert der unglaublichen Fingerfertigkeit Hellborgs mit fast wilden, stürmischen Ausbrüchen zu folgen. Das bekannte Thema von "Autumn Leaves" erklingt und als Zugabe gibt es den Jazz Standard "Black Orpheus".

 

Rauschender Applaus begleitet einen Künstler von Weltruf, der dem Publikum einen ganz außergewöhnlich magischen Auftritt bescherte.

Von Jörg Linnhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff