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Jazz als globale Sprache

Gunter Hampel feiert seinen 75. Geburtstag Jazz als globale Sprache

Wer den Göttinger Jazzmusiker Gunter Hampel im Konzert erlebt, ist immer wieder erstaunt: Mit seiner Musik und seinem Charisma begeistert er innerhalb von Sekunden sein Publikum für modernen Jazz und kollektive Improvisationen – ein für ungeübte Ohren oft nicht ganz einfaches Terrain.

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Grenzenlose Lebensfreude und kindhafte, jugendliche Neugierde: Gunter Hampel.

Quelle: Beisert

Göttingen. Das passiert auf großen Konzertbühnen und in Clubs genauso wie auf seinen Workshops mit Kindern und Jugendlichen.

Was macht das Phänomen Gunter Hampel aus? Seine Musik wirkt völlig ungekünstelt. In ihrer Grenzenlosigkeit ist sie durchdrungen von Lebensfreude und einer kindhaften, jugendlichen Neugierde. Der Zuhörer sieht live, wie sie aus dem Moment heraus improvisiert wird. Und besonders wichtig: Er spürt unmittelbar die positive, ja spirituelle Energie, die von Hampels Spiel ausgeht. Seit frühester Kindheit hat dieser Musiker direkten Zugang zu seinen eigenen inneren kreativen Quellen – und förderte über Jahrzehnte ein immenses Werk weltweiter Bedeutung zutage. Der Göttinger Jazzmusiker von Weltrang feiert am Freitag seinen 75. Geburtstag.

Geboren in Göttingen

Gunter Hampel wird am 31. August 1937 in Göttingen als Sohn einer Dachdeckerfamilie geboren. Er wächst am Maschmühlenweg auf, spielt Fußball in der A-Jugend bei Göttingen 05 und ist Center bei der heimischen Basketball-Mannschaft. In Hann. Münden geht er zur Bundeswehr und in Braunschweig studiert er Architektur. Schon als Kind findet er Zugang zur Musik und spielt Akkordeon. Als Achtjähriger begeistert er sich für Jazz, als diese Musik 1945 mit den schwarzen GIs in die Leinestadt kam. Louis Armstrong war seine Erweckung.

Der Musiker spielt sich auf dem Vibraphon, der Flöte und Klarinette durch das amerikanische Repertoire von Swing und Bebop. International bekannt wird er 1964 mit seiner Platte „Heartplants“, eines der wichtigsten Alben der europäischen Jazz-Emanzipation. Hier vereint er erstmals New Jazz mit der europäischen Klassik. Er lebt in Amsterdam, Paris und New York. Integriert ist er in der europäischen Avantgarde und wird zugleich von Musikern in den USA geschätzt. In eigenen Projekten arbeitet er mit wegweisenden Musikern des modernen Jazz zusammen wie John McLaughlin, Willem Breuker, Anthony Braxton, Perry Robinson, Barre Phillips oder Marion Brown. Europäische und amerikanische Musiker führt er 1969 auf seiner legendären Schallplatte „The 8th of July“ zusammen.

Auftritte weltweit

Hampel gründet seine legendäre Galaxie Dream Band und gastiert mit ihr weltweit. Er spielt zudem in Duos, Trios oder mit seiner eigenen Big Band. Die amerikanische Jazzsängerin Jeanne Lee wird seine Lebenspartnerin. Er arbeitet mit Komponisten Neuer Musik wie Krzysztof Penderecki zusammen, schreibt Film- und Theatermusiken, kooperiert mit Tänzern, integriert Lyrik, beginnt abstrakte Gemälde zu malen, erobert mit der „Jazzkantine“die Popwelt und gründetet sein HipHop-Projekt „Next Generation“. In den letzten Jahren konzentriert er sich auf sein aktuelles „European-New York Quintet“ in dem er mit jungen Musikern spielt.

Ausgezeichnet wird der Instrumentalist für sein Werk mit dem Niedersächsischen Staatspreis, der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen, dem Deutschen Jazzpreis, dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Praetorius Musikpreis. Seiner Geburtsstadt Göttingen bleibt Gunter Hampel bei allem internationalen Erfolg immer treu – sie ist seine Basis. Immer wieder stellt er dem heimischen Publikum bei seinen Konzerten international bekannte Jazzmusiker vor. In der Philipp-Reis-Straße betreibt er seit über vier Jahrzehnten seine eigene Plattenfirma Birth records.
Zeitlebens pendelt der Künstler zwischen Göttingen und New York. Dies ist auch ein passendes Bild für seine Kunst: Denn seine Kompositionen und Improvisationen agieren im Zwischenraum der Kulturen. Sie haben das Kraftvolle und Befreiende des amerikanischen Jazz und zugleich das Melodiöse und tänzerisch Leichte europäischer Kunstmusik. Sein Klangkosmos verschmilzt Gegensätze und schafft dadurch etwas Größeres.

Für Gunter Hampel ist Jazz nicht primär Kunst, sondern in erster Linie Kommunikation. Auf seinen Instrumenten nimmt er Kontakt auf mit anderen Musikern und mit den Zuhörern. Jazz ist für ihn eine globale Sprache der Menschlichkeit. Sein Publikum versteht ihn weltweit – bei jedem Auftritt wieder.

Udo Hinz

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