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Ein Fest zum Jubiläum - and a real Big Band

20 Jahre Jazzaholics Ein Fest zum Jubiläum - and a real Big Band

Abgesehen von Rock-Recken und Schlagerlegenden gelingt es wenigen Musikern, eine Band zwanzig Jahre lang am Leben zu halten - erst recht, wenn die Instrumentalisten Jugendliche sind und wechseln. Die Jazzaholics aus Göttingen haben es geschafft - und dies mit einem ungewöhnlichen Konzert gefeiert.

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Der langjährige ehemalige Leiter der Schulbigband des Otto-Hahn-Gymnasiums Burkhard Fabian aus Berlin mitsamt seiner Berliner Band "Major 7".

Quelle: NR

Die Big Band des Otto-Hahn-Gymnasiums hatte sich zum Geburtstag einen Rückblick in 20 Jahre Bandgeschichte unter dem Motto "Let's make Jazz great again" gewünscht und aus dem Grund die alten Köpfe der Band auf die Bühne geholt: Zwei ehemalige Leiter, Marc Budenz und Burkhard Fabian, sowie der jetzige Big-Band-Leader Christian Preuniger, traten in Erscheinung - dezent im Hintergrund, als Dirigenten oder als Musiker.

Den Auftakt gaben die Gäste, und sie bewiesen: Nur weil Löcher in den schwarzen Jeans der Musiker sind, Instrumentalisten beim Applaus verschämt auf die Turnschuhspitzen blicken und der Bandleader eher tänzelt als dirigiert, heißt das längst nicht, dass Jazzklassiker nicht sehr weltmännisch und professionell daherkommen können. Major7 legten in der Pausenhalle des Otto-Hahn-Gymnasiums Big-Band-Sound auf erstaunlich hohem Niveau ab.
Wenige Takte von "On Broadway" genügten den jugendlichen Musikern, um das Publikum begeistert mitklatschen zu lassen - die entspannte, animierende Art Fabians trug dazu entscheidend bei: Der Musiklehrer dirigierte, animierte, strahlte, wenn etwas hörbar gut gelang, schmunzelte, wenn mal ein Ton nicht saß, schleppte den Solisten die Notenständer beiseite und hielt ihnen die Mikros - und er moderierte locker die erste Hälfte des Konzerts weg. Seine Musiker, Schüler des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow, machten mit Stücken wie "Libertango", "Harlem Nocturne" oder "In the Mood" deutlich, was Spielfreude und Zusammenspiel im Wortsinn bedeuten: Sie nahmen sich zurück, wenn das Stück sanftes Spiel forderte und traten selbstsicher in den Vordergrund, wenn ein klarer Akzent gefragt war. Ein kraftvolles, geschlossenes Gesamtbild bot sich den Zuhörern. Publikumslieblinge dürften "Chattanooga Choo Choo" in der deutschen Version als "Sonderzug nach Pankow" gewesen sein und ein Schlagzeugsolo: Während seine Mitschüler längst die Bühne verlassen hatte, zeigte ein Schüler, wie vielfältig, sprechend und unterhaltsam das Spiel mit dem Drum Kit über Minuten hinweg sein kann.


Im zweiten Teil des Konzerts brachten die Musiker der Jazzaholics im Jahr 2017 das Publikum auf den aktuellen Stand der Band, und das vor den Augen und Ohren zahlreicher ehemaliger Mitstreiter. Und in Abwesenheit vieler, die einst in der Band gespielt hatten: Sie könnten teils nicht dabei sein, weil sie mittlerweile als Profis unterwegs sind und Auftritte hatten oder Videodrehs, erfuhr das Publikum von Preuninger. Mit "Everything" und Nina Paul als Solo-Sängerin und der Rocky-Titelmelodie "Gonna Fly now", starteten die Musiker poppig, bevor sie sich tiefer in den Jazz vorarbeiteten, damit ihrem Namen noch gerechter wurden - und noch lauteren Applaus ernteten. Erst recht, als sich der heutige Leiter der Big Band ein Saxophon griff und mit seinen Schülern gemeinsam spielte. Die Göttinger hatten Spaß, das war hörbar beim Glenn-Miller-Medley und noch viel deutlicher bei einem seiner Stücke, bei dem das Publikum mitmachte: "Pennsylvania Six-Five Thousand". Bereits 1997 hatten dies die Jazzaholics einstudiert - und auch 2017 hatte es nichts von seinem "OOO"-Zauber verloren.
Das, worauf aber offensichtlich Protagonisten und Publikum gleichermaßen gewartet hatten, war aber weder ein Stück von Major7 noch eines von den Jazzaholics. Es war seines von beiden. Und all den Musikern, die einmal in der Band gewesen und an diesem Abend mit ihren Instrumenten ins OHG gekommen waren: "Chameleon" war ein Fest, das unter anderem Fabian Haller (Tora Bora Allstars, Bigband Presto) mitfeierte, ehemalige OHG-Schüler - und ein Publikum, das kaum mehr aus dem Klatschen herauskam.

Jazzaholics

Die Big Band des Otto-Hahn-Gymnasiums ist 1997 von Marc Budenz gegründet worden, der damals Referendar an der Schule war. 1999 übernahm Burkhard Fabian die Leitung der Band, seit 2005 pist Christian Preuninger am Ruder. Die Jazzaholics haben mittlerweile vier CDs veröffentlicht und bestreiten zahlreiche Konzerte in der Region.

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