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Jazzfestival: Efrat Alony-Childo Thomás-Duo und Christoph Busse Quartett

Abend der Gegensätze Jazzfestival: Efrat Alony-Childo Thomás-Duo und Christoph Busse Quartett

Efrat Alony lebt künstlerisch in zwei Paralleluniversen. Die Sängerin singt ergreifend mit ihrer natürlichen Stimme. Doch schnell wechselt sie in eine andere Welt: Dort jagt sie ihre Stimme durch Effektgeräte.

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Spiel mit Klängen: Efrat Alony und ihr musikalischer Partner, der Bassist Childo Thomás.

Quelle: Heller

Göttingen. Im Duo mit Weltklasse-Bassist Childo Thomás gastierte sie am Donnerstag im Alten Rathaus im Doppelkonzert mit dem Christoph Busse Quartett – es wurde ein Abend der Gegensätze.   
Die israelische Sängerin singt englische oder hebräische Songs. Die Freiheit des Jazz nutzt sie, um ihre Stimme kreativ zu modulieren und mit Klängen zu spielen. Elektronisch doppelt sie ihre Stimme, friert sie in einer Endlosschleife ein oder verfremdet sie sphärisch.

Childo Thomás ist am E-Bass mit weichen und groovenden Tönen der ruhende Fels in der Brandung. Der aus Mosambik stammende Musiker begleitet dezent – aber wirkungsvoll. Dabei ist sein Spiel verflochten mit dem Gesang, nimmt Ideen auf und inspiriert die Vokalistin. Gelegentlich lässt der Bassist, der sonst mit dem Piano-Star Omar Sosa spielt, dann doch durchblicken welche Virtuosität er hat. Beeindruckend!

Als Gast verfeinert Nene Vasquez einige Stücke sensibel mit Klangfarben seiner Trommeln, Becken und Rasseln. Doch das Duo überzeugt auch alleine: Sängerin und der Bassist schaffen immer wieder eine magische Atmosphäre.

Im zweiten Teil des Abends betritt der Göttinger Pianist Christoph Busse mit einem wenig eingespielten Quartett die Bühne. Am Flügel erweist er sich als verträumter Lyriker. Er schwelgt in Moll-Improvisationen, verliert sich aber in seinen perlenden Läufen.

In seinen Kompositionen nutzt er zu wenig die Chance, ihnen jeweils einen eigenen Charakter zu schenken. Ähnlich Kontrabassist Rodolfo Paccapelo: seine virtuosen aber übermotivierten Soli laufen emotional ins Leere. Da hilft auch keine spritzige Rhythmusgruppe aus dem Drummer Ray Kazcinski und dem Perkussionisten Nene Vasquez. Der Abend zeigte einmal mehr worauf es heutzutage im Jazz ankommt: Nicht die Stilistik steht im Vordergrund, sondern das individuelle Ausdrucksvermögen der Musiker.

Von Udo Hinz

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