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Jazzsängerin Youn Sun Nah spricht über Freiheit in der Musik

„Ein sehr intimer Dialog“ Jazzsängerin Youn Sun Nah spricht über Freiheit in der Musik

Sängerin Youn Sun Nah ist Koreanerin und hörbar von der Jazzszene in Paris beeinflusst. Am Freitag, 14. November gastiert die aktuell sehr erfolgreiche Künstlerin auf dem 37. Göttinger Jazzfestival. Das Telefoninterview gab sie in einem Hotel in Südfrankreich.

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„Ich möchte keine Begrenzung in dem, was ich tue“: Youn Sun Nah.

Quelle: EF

Göttingen. Das Telefoninterview gab sie in einem Hotel in Südfrankreich.

Dabei spricht die 45-Jährigen über die Kunst der Reduktion, die vielen Farben des Jazz und über ihre heutige Heimatstadt Paris.

Sie kommen im Duo nach Göttingen. Lieben Sie die Reduktion?
Ja, ich mag es, die Musik zu reduzieren. Dann kann ich mit jeder einzelnen Note kommunizieren. Im Duo ist so ein sehr intimer Dialog möglich. Manche Musiker fühlen sich so eher nackt. Ich schätze dagegen die Freiheit.

Wie kam es zur Zusammenarbeit ihrem Duo-Partner Ulf Wakenius?
Ich traf den Gitarristen vor sieben Jahren in Korea. Da lud ich ihn einfach ein, mit mir zu konzertieren. Seit dem machen wir zusammen Musik. Ulf ist ein großer Musiker mit viel Erfahrung. Er war der letzte Gitarrist des Jazzpianisten Oscar Peterson. Mit ihm zu spielen ist magisch. Selbst wenn er nur eine Gitarre spielt, kann er wie ein Orchester klingen.

Er spielt ja viel akustische Gitarre. Was schätzen Sie an diesem Instrument?
Ich mag den natürlichen Klang sehr gerne. Die akustische Gitarre ist poetisch und schafft auch eine Stille, einen Raum, mit dem man spielen kann.

Sie singen Songs zwischen Chanson und Pop, in anderen Titeln improvisieren Sie wie eine Jazzsängerin. Haben Sie zwei Seelen in ihrer Musik?
Ich bin noch immer sehr neugierig auf jede Art von Musik. Ich begann sehr spät Musik zu studieren – damals war ich schon 27 Jahre alt. Ich wollte alles hören und alles versuchen. Oft habe ich mich nicht getraut. Doch meine Musiker haben mich immer unterstützt, etwas zu wagen – manchmal hat es funktioniert, manchmal nicht. Ich möchte keine Begrenzung in dem was ich tue. Für mich hat Jazz heutzutage nicht nur eine Farbe, diese Musik ist eine Mischung aus allen Farben. Genau deshalb mag ich Jazz.

Wann hörten Sie denn bewusst zum ersten Mal Jazz?
Bevor ich vor sieben Jahren nach Frankreich kam, habe ich nie Jazz gehört! Klar, ich hörte Ella Fitzgerald, Louis Armstrong und Miles Davis im Radio. Aber ich dachte nie, dass es Jazz wäre. Ich war nie an Jazz interessiert. Es gibt ja in Korea auch nur wenige Orte, an denen Jazz gespielt wird.

So entdeckte ich diese Musik sehr spät. Das war sehr hart für mich: Ich musste alles von Anfang an lernen, die Namen der Musiker, die Harmonien – alles. Aber ich fällte eine gute Entscheidung (lacht). Dabei will ich nicht nur Jazz, sondern auch Chanson, Pop und Rock singen.

In Ihrer Musik hört man stark den Einfluss der multikulturellen Jazzszene ihrer aktuellen Heimatstadt Paris.
Ich bin in Korea geboren und hundertprozentig Koreanerin (lacht). Doch ich bin ein großer Fan des französischen Chanson. Und so begeisterte ich mich für Frankreich. Meine erste Gruppe bestand aus französischen Musikern. Gleichzeitig ist Paris eine große Metropole mit Musikern aus allen Teilen der Welt. Das war sehr anregend für mich.

Manche Ihrer Songs haben eine Dramatik, die an die traditionelle Musik Koreas erinnert.
Das ist absolut richtig! Da kommt die Dramatik sicher her. Dabei hatte ich nie die Chance, unsere traditionelle Musik zu lernen. So kann ich nicht allzu viel darüber sagen. Aber als Kind habe ich diese Musik gehört. Vielleicht habe ich deshalb von diesem Erbe etwas in mir.

Interview geführt von Udo Hinz

Youn Sun Nah …
… ist 1969 im südkoreanischen Seoul geboren. Die Jazzsängerin ist die Tochter eines Dirigenten und einer klassischen Sängerin. Mit 23 Jahren debütierte sie als Sängerin bei einem Konzert mit dem koreanischen Sinfonieorchester. Daran schlossen sich zahlreiche Auftritte in koreanischen Musicals an. 1995 entschloss sie sich, nach Paris zu gehen, um dort Jazz und französisches Chanson zu studieren. Seit dem lebt sie dort, spielte mehrere Alben ein und tourte weltweit.
 

Das Göttinger Jazzfestival findet vom 7. bis 15. November statt. Am Freitag und Sonnabend, 14. und 15. November, treten im Deutschen Theater neben Youn Sun Nah auch Christof Lauer & NDR-Bigband, The Tiptons, Jacob Karlzon 3, Uwe Kropinski Trio sowie China Moses auf. Karten gibt es noch für den Freitag in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Jüdenstraße 13c in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.
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