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Joachim von Burchard inszeniert „Just in Case“

Uraufführung Joachim von Burchard inszeniert „Just in Case“

Die Pubertät kann zur harten Zeit werden. Schon kleine Anlässe werfen Heranwachsende aus der Bahn, und Schwierigkeiten können sich zum gefühlten Weltuntergang ausdehnen. David Case macht da keine Ausnahme. Die hormonell bedingte Gefühlverwirrung des 15-Jährigen beschreibt Meg Rosoff in ihrem Buch „Just in Case“, die Stückfassung von Stefan Schroeder hatte in der Regie von Joachim von Burchard jetzt Uraufführung im Jungen Schauspiel des Deutschen Theaters (DT) Göttingen.

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Liebesleid: David (Dominik Bliefert) und Agnes (Anna-Katharina Philippi).

Quelle: Heise

Ein kurzer Moment öffnet dem Chaos die Tür zum Leben von David. Sein kleiner Bruder sitzt auf der Fensterbank, fast wäre er abgestürzt. Im letzten Moment kann David ihn von der Kante reißen. Fortan will der Junge dem Schicksal entkommen. Er nennt sich Justin (nettes Wortspiel: „Just in Case“, „Was wäre wenn …?“), trifft die schräge Agnes, die ihn mit angesagten Klamotten ausstaffiert und zu ihrem Model für Fotografien macht. Irgendwann schlafen sie miteinander, was das Leben des Jungen nicht einfacher macht. Auf der Flucht vor dem Schicksal wird er von ihm auf Schritt und Tritt begleitet, auch in den bedrohendsten Situationen, die David an den Rand seiner Existenz bringen.

Auf die Spitze getrieben

Joachim von Burchard hat diese Uraufführung mit wenig Hang zum Experiment inszeniert. Und obwohl Autorin Rosoff viele Wendungen auf die Spitze treibt, hat sie dem Genre des Entwicklungsromans im Grunde nur ein weiteres Buch hinzugefügt. So dramatisch David sein Lebensdurcheinander empfindet, so lapidar taucht er ganz am Ende daraus hervor. 

Dass der Abend dennoch unterhaltsam geraten ist, liegt vor allem an Akteuren wie Imme Beccard, die sehr wandlungsfähig neben dem Schicksal noch einige andere Figuren spielt, oder an Gerd Zinck, der sympathisch Davids väterlich-verlässlicher Freund Peter ist. Dominik Bliefert rast aufopferungsvoll als David durch sein Chaosleben, das Bühnenbildnerin Jeannine Simon schön variabel zwischen Bretterbude und Flughafen-Warteraum ausgestattet hat. Anna-Katharina Philippi zeigt sehr überzeugend die schräg-schrille Agnes. Noch unterhaltsamer wäre der Abend allerdings geworden, wenn von Burchard die eindreiviertelstündige Vorstellung, die Jan Exner in weiten Teilen mit passender Musik unterlegt hat, etwas gestrafft hätte.

Weitere Vorstellungen: 30. April, 11., 19. und 28. Mai um 20 Uhr, am 12. und 20. Mai um 11 Uhr im Studio des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 0551/496911.

Von Peter Krüger-Lenz

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