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Jonathan Kluth über "Ophelia" und das Studium an der Popakademie

"Es fragt ja niemand nach dem Bachelor-Examen" Jonathan Kluth über "Ophelia" und das Studium an der Popakademie

Jonathan Kluth ist mit seinem neuen Album „Ophelia“ auf Tournee. Die elf Songs reichen vom Folk und Blues über krachenden Rock bis zum Grunge. Damit kommt der Songwriter, in Alsfeld geboren und Absolvent der Mannheimer Popakademie am Mittwoch, 18. Februar, nach Göttingen. Sein Konzert im Heimathafen, Barfüßerstraße 12, beginnt um 21 Uhr.

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Quelle: ef

Ihr erstes Album trägt den Titel "Ophelia". Gibt es darauf einen direkten Bezug zu Shakespeares Drama "Hamlet"?
Nein, nicht wirklich. Die Exzessivität, Verführung und Krankhaftigkeit, die eine Liebe annehmen kann, haben beide Geschichten zwar gemeinsam. Mein Album ist jedoch keineswegs von Hamlet inspiriert. Das ist nur ein spannender Zufall.

Was hat es dann mit diesem Titel auf sich?
Ich wollte, dass mein erstes Album einen Namen hat und nicht bloß einen Titel. Ophelia hat viele Facetten und Extreme, laute und leise Stimmungen. Nachdem ich mich für diesen Namen als Albumtitel entschieden hatte, haben sich verschiedene Parallelen aufgetan, die gut zu den Songs und der Atmosphäre passen – so zum Beispiel auch die tragische Figur aus Hamlet.

Wovon lassen Sie sich bei Ihren Liedern inspirieren?
Meistens fängt ein Song bei einem kleinen Gedanken, einer Zeile oder einem Gitarrenriff an, mit dem ich mich ein paar Stunden beschäftige. Dann geht es häufig um Geschichten, Gefühle und Gedanken, die ich mit mir herumtrage. Vieles in den Songs hat direkten Bezug zur Realität, meistens sind die Erlebnisse einfach nur anders erzählt oder mit Metaphern verarbeitet. Songs wie "You Ain't Got Me" und "Postcards" sind in Italien entstanden und erzählen von dieser Reise.

Sie haben an der Popakademie in Mannheim den Studiengang Popdesign studiert. Wie wichtig ist ein akademischer Grad für ein Leben als professioneller Musiker?
Ich durfte während meiner Zeit in Mannheim viele tolle Menschen kennen lernen und habe so gute Freunde gefunden, mit denen ich Musik machen durfte. Letztlich ist es wichtig, sich am Instrument weiter zu entwickeln und nicht, ob und wo man einen akademischen Abschluss gemacht hat. Es fragt einen ja niemand nach dem Bachelor-Examen, bevor man in einer Band mitspielen kann.

Nach dem Studium sind Sie nach Berlin gezogen – was war der Grund?
Ein Tapetenwechsel war einfach dran. Ich wollte den nächsten Schritt gehen und wusste, dass das in Mannheim für mich nicht möglich war. Da war Berlin die richtige Stadt und ist es immer noch.Es ist wundervoll, wie vielfältig und unendlich diese Stadt sein kann. Möchte man Leute kennen lernen oder Ideen finden, ist das kein Problem hier. Genauso anonym und einsam kann man sich hier fühlen, wenn man sich zurückzieht.

Schon als Vierjähriger wollten Sie unbedingt Geige lernen. Können Sie sich noch erinnern, was in Ihnen diesen Wunsch ausgelöst hat?
Ja, ich habe einen Auftritt von einem osteuropäischen Ensemble gesehen mit einem wahnsinnig guten Violinisten. Ich war total begeistert von seinem Feuer und Temperament. Es ist sicher keine leichte Entscheidung, sein Kind für den Geigenunterricht anzumelden, weil einem dann ein paar Jahre schräge, quietschende Übungsstunden ins Haus stehen. Ich bin sehr froh, dass meine Eltern das mitgemacht haben!

Knapp zehn Jahre später tauschten Sie die Geige mit der Gitarre ein – warum?
Irgendwie ist damals alles stehen geblieben. Die klassischen Übungen haben mich genervt. Ich wollte lauter sein, dazu singen und nicht mehr perfekt sein müssen. Das hat nicht zu dem gepasst, was meine Lehrer von mir erwartet haben, zumal ich mich nicht mehr von irgend etwas hätte überzeugen lassen. So ist das mit 13 Jahren – da will man nicht so viele Kompromisse machen.

Mit der Gitarre pflegen Sie einen deutlich derberen Umgang, was Ihnen schon den Ruf als 'Saitenmetzger' eingebracht hat. Finden Sie sich in der Umschreibung wieder?
Das ist schon ein heftiger Ausdruck, den ein Kritiker mir da einmal verpasst hat. Aber leider reißen mir beim Gitarrespielen tatsächlich permanent die Saiten ­–dagegen kann ich nichts machen. Ich habe schon alles probiert, das Problem liegt an meinem Anschlag.

Im Gegensatz zu vielen aktuellen deutschen Kollegen singen auf Englisch – wieso?
Die englische Sprache passt mehr zu meiner Stimme und der Musik, die ich machen will. Ich habe schon auf Deutsch geschrieben und will gar nicht ausschließen, dass da mal was in diese Richtung passiert. Am Ende muss es sich richtig anfühlen und das tut es im Moment gerade so, wie es ist.

Ihre Musik wird als eine Mischung aus Nirvana, Incubus und John Mayer beschrieben. Finden Sie diese Einschätzung zutreffend?
Sicher, man lernt ja immer Laufen durch die Fußstapfen eines Vorgängers. Und natürlich möchte man Musik einordnen können. Die drei genannten Künstler finde ich selbst sehr spannend. Da fühle ich mich schon geehrt, wenn jemand meinen Stil dort wiederfindet. Ich selbst möchte meine Musik aber nicht vergleichen. „Ophelia“ hat einen ganz eigenen Sound.

Warum haben Sie für die Veröffentlichung des Albums eine eigene Plattenfirma namens "Birdshill Records" gegründet?
Es war ein wichtiger Schritt, alles selbst zu machen. Man ist ja deshalb nicht weniger Teil der Musikindustrie – im Gegenteil. Man muss nur selber ran, aber dann weiß man auch, was man geschafft hat. Das war auch der Grund für ein eigenes Label: zu wissen, worum es auf der anderen Seite geht. Ich möchte als Künstler die Kontrolle haben und nicht nur daneben stehen und zusehen, was mit der eigenen Musik passiert. Zum Glück bin ich nicht alleine. Wir sind ein kleines Team und ich finde, wir sind ohne viel Geld oder eine große Plattenfirma ziemlich weit gekommen.

Das Interview führte Thorsten Hengst

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