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Ein Tango bricht das Eis

„Josef und Maria“ zu Gast bei Woggon Ein Tango bricht das Eis

Das Leben hat es nicht gut mit ihnen gemeint, mit der Frau Maria und dem Herrn Josef. Am Heiligen Abend sind die beiden nun allein in dem großen Kaufhaus, sie putzt, er schiebt Wachdienst. Das Deutsche Theater zeigte die Premiere von Peter Turrinis „Josef und Maria“ am Sonnabend ­ im Modehaus Woggon.

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Quelle: r

Göttingen. Maria, die hat in Tirana mal im Varieté getanzt. Und der Joseph, der hat am Burgtheater vorgesprochen! Leider ist dann einiges dazwischen gekommen, aus den großen Karrieren wurde nichts: Der Krieg vor allem, eine frühe Schwangerschaft, eine unglückliche Ehe, der Untergang des Sozialismus.

Die beiden älteren Menschen haben ihre Gründe Heiligabend hier allein im Kaufhaus zu verbringen. Der eine hat keine Familie und kaum noch lebende Genossen, der anderen hat der einzige Sohn vor zwei Tagen gesagt, dass sie Heiligabend nicht erwünscht ist. Sie versteht sich einfach nicht mit ihrer Schwiegertochter.

Ideale Spielmöglichkeit

Turrini hat sein Stück von Josef und Maria schon 1980 geschrieben, 1998 gab es eine überarbeitete Fassung. Es ist eine schöne Idee des Deutschen Theaters, die Aufführung tatsächlich in ein Geschäft zu verlegen. Und es funktioniert hier auch ausgesprochen gut. Die Treppe im Hause Woggon gibt ideale Spielmöglichkeiten, der kleine, vollbesetzte Zuschauerraum schafft die richtige Atmosphäre.

Termine

Freitag, 4. November, um 20.30 Uhr, Sonntag, 6. November, um 19 Uhr, Freitag, 11. November, 20.30 Uhr jeweils im Modehaus Woggon, Barfüßerstraße 1. Karten unter Telefon 05 51 / 49 69 11.

In der Inszenierung von Elias Perrig spielen Gaby Dey und Andreas Jeßing die Begegnung der beiden – überzeugend breiten sie eine Palette von Gefühlen aus. Zögernd kommen Maria und Josef sich näher, erzählen von ihrem Leben, von all den gescheiterten Träumen. Sie reden am Anfang aneinander vorbei, dann gleichzeitig, wissen nicht recht mit den emotionalen Ausbrüchen des anderen umzugehen.

Dey spielt ihre Maria mal flapsig, mal kokett und ein bisschen forsch, dann wieder verzweifelt. Jeßing zeigt einnehmend die Verunsicherung des Josef, der sich vor den Gefühlen immer wieder in seine politischen Statements flüchtet. Erst ein kleines Tänzchen, ein Tango, bricht das Eis wirklich.
Eine schöne, nachdenklich machende Geschichte, wunderbar gespielt.  Das Publikum applaudiert begeistert.

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