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Jubiläum bei den Fredener Musiktagen

Festival gestartet Jubiläum bei den Fredener Musiktagen

Um Deutschland und England geht es bei den 25. Fredener Musiktagen – „kein Fußballspiel!“, wie die deutsch-englischen Veranstalter ausdrücklich hinzusetzen. Jetzt startete das Jubiläumsfestival mit einem Kammerkonzert der Camerata Freden in der nicht ganz ausverkauften, aber gut besuchten Zehntscheune.

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Das Orchester: Adrian Adlam, Christine Townsend, Lionel Handy, Ilka Emmert, Michael Heitzler, Daniel Mohrmann und Felix Klieser (von links).

Quelle: EL

Freden. Dem Festivalthema folge das Programm mit dem Klavierquartett des Engländers William Walton (1902-1983) und dem Septett op. 20 des Deutschen Ludwig van Beethoven. Beide Werke sind in Konzertsaal Raritäten. Waltons Musik wird außerhalb seines Heimatlandes nur selten gespielt, was man zwar von Beethoven allgemein sicherlich nicht sagen kann. Doch ist es ziemlich aufwendig, für sein Septett vier Streicher – Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass – mit einer Klarinette, einem Fagott und einem Horn zusammenzubringen. Solche Ensembles müssen eigens zusammengestellt werden – genau das aber ist die Spezialität der Camerata.

Mancher Zuhörer dürfte beim Lesen der Werkeinführung gestaunt haben. Mit gerade einmal 16 Jahren hat Walton sein Klavierquartett zu komponieren begonnen. In einem Alter, in dem sonst junge Männer nach der Pubertät mit ihrer Sinnsuche anfangen, steckte Walton schon tief im musikalischen Zeitgeist seiner Epoche, wie dieses kraftstrotzende, hochexpressive Werk ausweist. Da sind Anklänge an Ravel herauszuhören, auch an die unerbittlichen Rhythmen Strawinskys, da gibt es einen traumhaft zartes Andante, ein beinahe aggressiv strukturiertes Fugato im Finale, das aber auch wieder ins Lyrische umschlägt oder in wilde rhytmische Ekstase ausbricht.

Mit Verve engagierten sich Adrian Adlam (Violine), Christine Townsend (Viola) – von Walton mit besonders schönen Kantilenen bedacht –, Lionel Handy (Violoncello) und der wieselflinke Pianist Stephen Robbings für diesen jugendlichen Geniestreich. Und ihr mitreißender Schwung half auch über kleine Durststrecke hinweg, dort nämlich, wo der junge Walton an die Grenzen seines kompositorischen Könnens stieß.

Dass Beethoven nicht unentwegt dem Schicksal in den Rachen gegriffen hat, wie es der Geniekult späterer Generationen gern apostrophierte, wird an dem um das Jahr 1800 entstandenen Septett auf sehr vergnügliche Weise deutlich. Dieses mit sechs Sätzen sehr breit angelegte Werk dient vorwiegend dem Zweck, sein Publikum zu unterhalten. Nein, Dunkles sucht man in dieser heiteren Musik vergebens. Sie ist hochkultiviert und konzentriert, spielt mit hübschen Überraschungseffekten, wartet mit volkstümlichen Melodien auf. Ein Thema im Menuett dürfte klavierspielende Zuhörer an ihren Unterricht erinnert haben: Beethoven übernahm es aus seiner vier Jahre zuvor komponierten leichten Klaviersonate G-Dur.

Die drei Streicher des Walton-Quartetts waren nun um die virtuose Kontrabassistin Ilka Emmert erweitert. Hier und da hätte man dem Violinisten Adrian Adlam etwas mehr Gelassenheit gewünscht: So viel Hochdruck hat Beethovens entspannte Musik nicht nötig. In den Bläserpartien glänzte der Klarinettist Michael Heitzler mit besonders schönen Kantilenen im Adagio. Der Hornist Felix Klieser durfte ebenfalls seine lyrischen Qualitäten herausstellen und zeigte auch in den brillant-virtuosen Partien seine ausgereifte Kunst. Das Bass-Fundament war bei dem Fagottisten Daniel Mohrmann in besten Händen. Der Beifall der begeisterten Zuhörer wollte kaum enden.

Von Michael Schäfer

Die Camerata Freden ist bei den 25. Fredener Musiktagen noch zweimal in der Zehntscheine zu hören: im Festkonzert am Sonnabend, 1. August, und im Abschlusskonzert am Sonntag, 9. August. Beide Konzerte beginnen um 17 Uhr.

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