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Judith Holofernes liest und singt im Alten Rathaus Tiergedichte

Vom Tuberkelhokko und Vorbildern Judith Holofernes liest und singt im Alten Rathaus Tiergedichte

Mit der Band „Wir sind Helden“ ist Judith Holofernes bekannt geworden. Zwölf Jahre lang gehörte die Kapelle zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum, bis sie 2012 bekannt gab zu pausieren. Holofernes hat jetzt ein Buch mit Tiergedichten veröffentlicht. Im Alten Rathaus hat sie daraus gelesen – und gesungen.

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Sehr offen, sehr nahbar: Judith Holofernes.

Quelle: Vetter

Göttingen. „Ich habe offensichtlich ein Ding mit Tieren am laufen“, sagt Holofernes zu Beginn des Abends, der in der Reihe „Liederabend“ des Literarischen Zentrums Göttingen läuft. Denn die Gedichte sind nicht ihre erste künstlerische Äußerung, in der Tiere vorkommen. Auch in einigen Liedern tauchen sie auf, die Holofernes für die „Helden“ textete.

Doch vor dem Buch stand eine Pause. „Ich  musste es aushalten, nach der Zeit mit der Band erstmal nichts zu sein“, sagt Holofernes. Seltsame und weniger seltsame Tiere hat Holofernes sich für ihre Verse ausgesucht, teils wurden ihr von Lesern ihres Blogs Tiere nahe gelegt. Neben dem Tuberkelhokko, einem Vogel, den es wirklich gibt, tauchen Erdferkel, Oktopoden und Tiefseefische auf, aber auch Hund, Wolf und Fuchs. Viel sei sie in Zoos gegangen, erzählt Holofernes, weil sie mit zwei Kindern auf Tournee unterwegs war.

Eine „wunderbare Balance zwischen Witz und Ernsthaftigkeit“ attestiert der Moderator, der Literaturwissenschaftler Dirk von Petersdorff aus Jena, den Holofernes-Texten. Und Holofernes antwortet: „Sie sind sehr viel aus dem Rückenmark geschrieben.“ Dass sie von dem großen Robert Gernhardt (1937-2006), Träger des Satirepreises Göttinger Elch, gelernt hat, bestätigt Holofernes: „bei Gernhardt und Konsorten“.

Eines ihrer ersten Tiergedichte, dem Opossum gewidmet, „wurde aus Versehen ein Lied“, berichtet Holofernes, „es wurde immer länger“. Holofernes weiter: „Ich haue einfach alles raus und entscheide später, was es ist“.
Als Kind sei sie auf die Plattensammlung ihrer Mutter gestoßen, erzählt Holofernes, „und sofort auf die Texte geflogen“. Sie habe wissen wollen: „Warum ist der Mann so traurig?“ Noch immer ein Vorbild: Paul Simon. Er sei „der Rundumste“, wie Holofernes die Komplettheit des Musikers nennt.

Sie sieht sich als Tierfreundin und „mit vollster Überzeugung Feministin“. Sie praktiziert gemeinsam mit ihrem Ehemann Pola Roy, dem Schlagzeuger der „Helden“, Buddhismus und hat sich einst mit der Bildzeitung angelegt. An diesem Abend im Alten Rathaus zeigt sie sich als kluge und humorvolle Gesprächspartnerin mit Botschaft: „Ich habe das Gefühl, dass das Universum in Reimen sprechen möchte.“

Neben dem Schreiben von Tiergedichten pflege sie noch ihr Langzeit-Hobby: „Ich übersetzte meine Lieblingslieder ins Deutsche.“ Irgendwann soll daraus auch mal ein Album werden. Doch es gibt noch mehr zu tun. „Ich habe jetzt schon wieder ganz viele eigene Songs, die Schlange stehen und alles andere wegboxen.“

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