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Jugend-Sinfonie-Orchester Göttingen zu Gast in der Alten Fechthalle

Mit Leidenschaft Jugend-Sinfonie-Orchester Göttingen zu Gast in der Alten Fechthalle

Sie greifen nicht nach den Sternen, aber gehörig recken müssen sie sich schon: Die Konzerte des Jugend-Sinfonie-Orchesters Göttingen (JSO) sind immer eine besondere Herausforderung für die jungen Instrumentalisten.

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Quelle: Heller

Göttingen. Im 40. Programm seiner mittlerweile schon 30-jährigen Geschichte hatte sich das JSO mit der zweiten Symphonie von Camille Saint-Saëns einen dicken Brocken der romantischen Literatur vorgenommen.

Zuvor konnten sich zwei junge Solistinnen zusammen mit dem JSO präsentieren. Die Sopranistin Esther Glatzel sang Arien von Gluck („Che faro senza Euridice“ aus „Orfeo ed Euridice“) und Pergolesi („Stizzoso, mio stizzoso“ aus „La serva padrona“): bei Gluck mit dem Ton verzweifelter Liebe und beachtlichem Volumen auch in tiefen Lagen, bei Pergolesi mit komödiantischem Schalk und Charme.

Immer war sie sicher in der Intonation und bemerkenswert lebendig im Ausdruck, außerdem sehr deutlich in der Textartikulation. Ähnlich facettenreich stellte sich die Violinistin Sonja Polly in der „Scène de Ballet“ von Beriot vor. Voller Temperament, Freude am virtuos-expressiven Spiel und mit rhythmischer Energie spielte sie ihren anspruchsvollen Part und hatte dabei eine ansteckend fröhliche Ausstrahlung.  

Das JSO hatte diesen Konzertteil mit Glucks Ouvertüre zur Oper „Alceste“ stimmungsvoll eröffnet und erwies sich unter der straffen, dabei stets flexiblen Leitung von Alon Sariel als aufmerksamer Partner der Solistinnen.

Für die Saint-Saëns-Symphonie gab es einen Wechsel am Dirigentenpult: Nun führte Daniel Eismann das JSO. Viel verlangt der Komponist von den Musikern, etwa einen weiten melodischen Ambitus in der Adagio-Einleitung, kontrapunktische Durchsichtigkeit im fugierten Kopfsatz und komplizierte rhythmische Strukturen im Scherzo mit seinen vielen Überbindungen. Die können den Spieler leicht aus der Bahn werfen, was aber dank der offenbar sehr gründlichen Probenarbeit nirgends geschah.

Auch die plötzlichen Brüche der melodischen Entwicklung im Finale kurz vor dem Ende der stürmischen Tarantella waren so sorgfältig vorbereitet, dass das Zusammenspiel keinen Schaden nahm. Zu Recht gab es am Ende dieser mit Leidenschaft und großem Engagement vorgetragenen Symphonie rauschenden Applaus samt Zugabe.

Von Michael Schäfer

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