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Elsäßer gegen den Kapitalismus

Schülerlesetage Göttingen Elsäßer gegen den Kapitalismus

Eine Revolution zwischen zwei Buchdeckeln – Elsäßer probt den papiernen Aufstand. Der Kinder- und Jugendbuchautor hat seinen politischen Roman „One – Die einzige Chance“ in der Buchhandlung Hugendubel vorgestellt. Darin prangert er das kapitalistische System an.

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Kämpfer für Gerechtigkeit in der Welt: Tobias Elsäßer.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Eine Handvoll Erwachsene und ein Hund sind zur Lesung erschienen, die Teil der Göttinger Schüler-Lese-Tage war. Doch sein Roman lasse sich ohnehin nicht einfach einer Schublade zuordnen, sagt Tobias Elsäßer, „das Buch ist weder Fisch noch Fleisch“. Irgendwo zwischen Erwachsenen- und Jugendliteratur bewegt sich die Handlung.

Info

Tobias Elsäßer: „One – Die einzige Chance“, Fischer Sauerländer, 400 Seiten, 16,99 Euro.

Samuel Pinaz, 17 Jahre alt, bricht mit dem Abi in der Tasche von Hong Kong nach Deutschland auf. Er trifft auf Fabienne, die Teil einer aufständischen Organisation ist, die das kapitalistische Finanzsystem in die Knie zwingen will. Samuels Vater, ein erfolgreicher Wirtschaftmathematiker, steht derweil ganz oben auf der Liste eines Auftragkillers. Und die Quelle allen Übels ist das Geld.

Die Handlung spielt im Jahr 2017 und ist hochaktuell, meint Elsäßer. „Das System ist ein Chaos“, sagt er über den Kapitalismus. Es könne nicht immer nur um Wachstum gehen. Die Flüchtlingskrise würde gerade eindringlich beweisen, dass es im globalen Wirtschaftssystem nicht so weitergehen könne, wie bisher. „Was ist man bereit, von seinem Luxus abzugeben? Die einzige Möglichkeit ist, dass wir drastisch teilen mit dem Rest der Welt“, ist Elsäßer überzeugt.

Die Botschaft ist klar. Und ein Roman wie „One“ könnte eine Chance für Jugendliche sein, sich dem Thema anzunähern und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Elsäßer hält mit seiner linken politischen Grundeinstellung nicht hinter dem Berg, deswegen ist er auch nicht manipulativ. Auch Jugendliche sind in der Lage diesen Roman kritisch zu lesen. Er bietet die Chance, nicht nur das kapitalistische Finanzsystem zu hinterfragen, sondern auch den Autor selbst.

Kajun, eine Hauptfigur des Romans, arbeitet als Auftragskiller. Provokant stellt der Schriftsteller die These auf, dass wir alle indirekt Mörder sind, wenn wir beispielsweise Kleidung kaufen, die in Bangladesh unter unverantwortbaren Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. So drastische Vergleiche bieten die Chance, sich vom Roman hinter dem eine leidenschaftliche Überzeugung steht, nicht nur mitreißen zu lassen, sondern auch kritische Distanz zu wahren.

Elsäßer, der ebenso Musiker und freier Journalist ist, hat einen Soundtrack zum Buch geschrieben. Ruhig und mit Gitarrenbegleitung lässt er diesen aufrüttelnden Abend ausklingen.

Von Jorid Engler

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