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Jugendliche eröffnen mit „Erster Kuss“ Göttinger DT-Festival

Unterschiedlich und doch gleich Jugendliche eröffnen mit „Erster Kuss“ Göttinger DT-Festival

In Leipzig ist eine Debatte um die Formulierung „Herr Professorin“ entbrannt, in Göttingen wurde das Centrum für Geschlechterforschung eröffnet, und Irland führte als erstes Land der Welt nach einer Volksabstimmung die Homo-Ehe ein.

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Aufregend: der erste Kuss – und Fragen rund um die Sexualität.

Quelle: Säckl

Göttingen. Es ist zum einen ein aktuelles und kontrovers diskutiertes Thema, dem sich das Projekt „Erster Kuss“ widmet. Es bewegt aber auch junge Menschen: Was ist sexuelle Identität, was ist Begehren, wer bin ich, was ist normal? Diesen und ähnlichen Fragen stellten sich Jugendliche aus Göttingen unter der Regie von Martin Thamm. Das Stück bildet den Auftakt des Theaterfestivals „DT – Am Puls“.

Im roten Licht beginnen sich die Schauspieler zu räkeln und aufzustehen. Sie stellen sich zunächst gegenseitig Fragen, dann wenden sie sich an das Publikum: „Magst du dich? Wen findest du schön? Hast du schon einmal von Intersexualität gehört?“ Das Ensemble präsentiert Tanz- und Showeinlagen, Gedichte, Erfahrungen und Gedanken – verpackt als Club-Abend.

Es ist bunt auf der Bühne: Jeder der Jugendlichen zeichnet sich durch etwas Besonderes aus. Da ist ein Mädchen mit blauen Haaren, ein anderes mit langem blonden Haar, rotem Lippenstift und Bart. Ein Junge trägt Lidschatten, Da steht aber auch die Frage im Raum, ob man denn wirklich allem einen Namen geben muss. „Was bist du?“, heißt es – „Ich kann dich nicht hören“, die Antwort. „Mann oder Frau?“ – „Ich weiß nicht, was ich antworten soll. Ich mag Fußball und Handtaschen“.

Die Botschaft im Stück ist mehr als deutlich: „Question what the TV tells you“, singen die Jugendlichen. Hinterfragen sollen wir, nichts hinnehmen. 

Das Stück schafft es immer wieder, den Punkt zu treffen, an dem es den Zuschauern unangenehm wird. Mal philosophisch, mal humorvoll machen die Jugendlichen auf Vorurteile und Prüderie aufmerksam. Dabei überschreiten sie nie die Grenze zur Albernheit.

„Lächeln, immer lächeln“, fordern die Akteure während des Tanzens. Der Appell wird lauter, aggressiver. Was zu Beginn als Höflichkeit interpretiert werden kann, zeigt schnell, wie eine Fassade entsteht, hinter der Menschen ihre Identität verbergen können. Es sind die kleinen Details, die das Stück in sich rund wirken lassen.

Wenn zum Beispiel zwei als Männer verkleidete Frauen – oder Männer, die gerne Frauen wären – ihre Bärte abnehmen und zu zweit sie selbst sein können. Oder als die Jugendlichen erst in Formation tanzen, diese dann auseinanderbricht und alle wild allein weiterrocken. Unterschiedlich und doch gleich sein, vor allem aber ohne Vorurteile. Das ist die Botschaft, die den Jugendlichen am Herzen liegt. Ein Stück, das auf humorvoll an das Thema sexuelle Vielfalt heranführt.

Von Theresa Hellwig

Zwei weitere Uraufführungen stehen bei dem Festival auf dem Prgoramm: Der Club der Sechs- bis Neunjährigen präsentiert unter der Spielleitung von Lisa van Buren am Dienstag, 16. Juni, um 17.30 Uhr „Klasse“ im DT-Studio. 

Die 13- bis 15-Jährigen haben sich unter der Leitung von Sophie Luther und Ania Pachura mit „Superhelden“ beschäftigt. Sie zeigen ihr Stück ebenfalls am Dienstag um 20 Uhr im DT-Studio, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

 
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