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Jugendliches Feuer

Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters Jugendliches Feuer

Fast kein Platz war frei im Saal der Stadthalle beim Freitags-Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO). Werke von Haydn, Tschaikowsky und Wagner hatte Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller zusammengestellt.

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Der Pianist Alexander Krichel.

Quelle: Uwe Arens / Sony Classical

Göttingen. Mit Haydns Ouvertüre zur Oper „L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice“ eröffnete er den Abend. Das ist ein konzentriertes, kontrastreiches Stück mit einem tiefernsten Adagio-Beginn und einem freundlich gestimmten Allegro-Teil.

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 „Glaubensfragen“ mit Werken von Mendelssohn, Martin und Bloch am Donnerstag, 10. März, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2.

Auf dieses unbekannte Kleinod folgte etwas ganz Populäres, Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert. Den Solopart spielte Alexander Krichel, ein enorm virtuoser Pianist (Jahrgang 1989) mit einem schier unerschöpflichen Kraftpotenzial, mit dem er für das Tschaikowsky-Konzert aufs Beste gerüstet ist.

In den donnernden Oktavgängen, den majestätischen Akkorde des Beginns oder den glitzernden Con-fuoco-Läufen im Finale konnte er seine Stärken eindrucksvoll demonstrieren – wobei hier und da als Gegengewicht noch ein wenig mehr Subtilität des Anschlags in leisen Passagen und flexiblere Übergänge den Genuss hätten vermehren können. Donnernd wie die Oktaven war der Schlussbeifall für ihn und das von Mueller sensibel geführte Orchester. Der Pianist dankte mit einer zärtlichen, freilich auch etwas seichten Eigenkomposition („Lullaby“).

19 Jahre jung war Richard Wagner, als er seinen symphonischen Erstling in C-Dur komponierte. In jugendlichem Überschwang schuf er gleich ein 40-Minuten-Werk – Beethoven muss doch zu überbieten sein. Viel Fleiß ist in diese Musik geflossen, viel an Beethoven orientierte thematische Arbeit, auch etliche Passagen, in denen Wagner nachdrücklich auf seine Modulationskunst hinweist, um bald doch wieder in C-Dur zu landen.

Sicherlich könnte man die eine oder andere ausufernde Wiederholung herauskürzen – dennoch ist diese Symphonie eine erstaunliche Talentprobe, die bei allen Durststrecken doch immer wieder aufhorchen lässt, ja im langsamen Satz stellenweise den künftigen Musikdramatiker erahnen lässt. Mueller bewies jugendliches Feuer, das Orchester spielte sehr engagiert, ohne Unfälle auch bei den hakigen Rhythmen des Scherzos. Begeisterter Beifall.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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