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Julius von Bismarck zeigt seine Werke im Alten Rathaus Göttingen

Jung, provokant und brutal Julius von Bismarck zeigt seine Werke im Alten Rathaus Göttingen

Einen Baum mit einem Taschenmesser fällen oder die Alpen auspeitschen, das sind Ideen, wie sie aus dem Kopf des Künstlers Julius von Bismarck kommen. Gerade sind diese Ideen unter dem Titel „Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer“ im Alten Rathaus zu sehen.

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Julius von Bismarck

Quelle: Heller

Göttingen. Das Konzept auf das Papier zu bringen ist eine Sache, das Ganze dann in die Tat umzusetzen eine ganz andere. Bei seinen Experimenten, die er durchaus auch als Selbsterfahrungen begreift, kommt Bismarck an seine körperlichen Grenzen. Um beispielsweise die Alpen oder die brasilianische Traumküste Ipanema mit einer Peitsche zu malträtieren, musste er einen Hass auf die Natur entwickeln, um dann mit voller Kraft zuschlagen zu können, erzählt der in Berlin beheimatete Künstler. Inszeniert ist dies in „Punishment I“. Dort sieht man ihn straucheln, müde werden und der Erschöpfung nahe, während er sich mit der Natur anlegt und in der Videoinstallation „Baumanalyse“ vergehen immerhin acht Stunden bis der Baum tatsächlich fällt. Ein Naturhasser sei er trotzdem nicht, vielmehr ein begeisterter Bergsteiger und das, was er da in der Videoinstallation „Punishment I“ bestraft, sei im Grunde nicht die Natur selbst, sondern das romantisierte Bild, was der Mensch sich von der Natur mache.

 

An das Verhältnis von Mensch und Natur nähert er sich eben auf seine Weise an, mittels Dekonstruktion. Das macht seine Werke spektakulär, witzig und originell, aber auch tiefgründig, provokant und durchaus zu einem brutalen Eingriff in die Natur. Nicht immer geschieht dieser Eingriff mit Waffengewalt, sondern auch mit vermeintlich harmlosen Werkzeugen wie Farbe und Pinsel. „Landscape Painting“ ist ein gutes Beispiel dafür. Ebenfalls eine Videoinstallation, zeigt sie, wie Menschen in Mexiko Landschaften zunächst mit weißer Farbe grundieren und dann mühevoll wieder bemalen. Absurd und faszinierend zugleich. Ähnlich verhält es sich bei der Fotographie „Jungle“, das eine Baumlandschaft zeigt, auf die graffitigleich das Wort „Jungle“ gefärbt ist.

 

Bismarck geht es um eben um die Frage, wie der Mensch Natur erlebt, welchen Begriff er sich von ihr machen kann und unter welchen Aspekten sie ihm als ästhetisch und schützenswert gilt.

 

In Göttingen kann man diesen Denkprozess umgesetzt erleben, denn im Alten Botanischen Garten hat er einen „gefälschten“ Baum pflanzen. Ein Experiment, dass er bereits 2013 im Berliner Grunewald durchgeführte und das einen erstaunlichen Effekt hat. Denn auf der Suche nach dem künstlichen Baum, wird jeder untersuchte Baum plötzlich zur Skulptur.

 

Die Ausstellung „Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer“ ist noch bis Sonntag, 23. August dienstasgs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9, zu sehen.

 

Von Serafia Johansson

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