Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Aufregende Begegnungen

Junge Musiker aus ganz Europa Aufregende Begegnungen

„Epoche f“ heißt ein Förderprogramm für junge Musiker aus ganz Europa. Sie erarbeiten in einem Meisterkurs mit dem Ensemble Modern ein Programm zeitgenössischer Musik. Am Sonntag haben sich die 23 Stipendiaten unter Leitung des niederländischen Dirigenten Lucas Vis in der Fechthalle vorgestellt.

Voriger Artikel
Willkommen auf Insel
Nächster Artikel
Klavierkonzerte „a quattro“
Quelle: Michael Schäfer

Göttingen. Mit der ältesten Komposition, die immer noch so aufregend ist wie zu ihrer Entstehung 1906, eröffneten die Musiker das Programm: „Central Park in the Dark“ von Charles Ives. Geheimnisvoll flüsternde Streicherstimmen kontrastierten wirkungsvoll mit lärmenden Alltagsgeräuschen. Das Werk besitzt eine derart komplizierte Textur, dass es eines zweiten Dirigenten bedurfte, um die Bläsergruppe sicher durch die rhythmischen Klippen zu lotsen.

In Bruno Madernas „Juilliard Serenade“ (1971) wechseln metrisch frei konzipierte Passagen mit genau festgelegten Abschnitten: Mit solchen Freiheiten gingen die Musiker – im Alter etwa zwischen zwölf und 20 Jahren – bereits beachtlich souverän um. Das gilt gleichermaßen für das Schulorchester der Großen Schule Wolfenbüttel, das zusammen mit den Stipendiaten an dem grafisch notierten, also eher improvisatorischen „Treatise for variable instruments“ von Cornelius Cardew (1963) beteiligt war. Die Freiheit ging hier so weit, dass eine Cellistin und eine Bratschistin kurzerhand ihre Instrumente tauschten und an diesem Wechsel sichtlich Spaß hatten. Diese Spielfreude war auch in Michael Jarrells „La Chambre aux Échos“ (2010) zu spüren. Für viele Musiker, wie in einem ihrer klugen Moderationsbeiträge zu erfahren war, bedeutete dieser Kurs die erste intensive Begegnung mit Neuer Musik in ihrer bisherigen Ausbildung.

Den Schlusspunkt setzten die Musiker in Wolfgang Rihms 2008/09 entstandener Komposition „Der Maler träumt“ mit dem jungen, aus Armenien stammenden Bariton Gurgen Baveyan. Das ist eine ungemein expressive, konturenklare Musik, die bei den begeisterten Zuhörern einen tiefen Eindruck hinterließ. Baveyan konnte mit seiner bemerkenswert schön timbrierten, kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme besonders überzeugen. Viel Beifall für die erstaunlich professionellen jungen Musiker und ihr souveränen Dirigenten Lucas Vis, der auch in den wildesten musikalischen Wogen wie ein Fels in der Brandung wirkte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Michael Schäfer

Die Milchbar im Nörgelbuff