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Deines Mannes Bruders Frau

Junges Theater startet mit „Hamlet“ in die Saison Deines Mannes Bruders Frau

„Kannst du bitte durch die Fahne durchfallen?“ Nico Dietrich, seit 2014 Intendant des Jungen Theaters, gestikuliert und wird auch mal laut, wenn er seinen Darstellern klare Anweisungen gibt. Die Proben für die Premiere von Shakespears „Hamlet“ am Freitag, 9. September, laufen auf Hochtouren.

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Die Proben für die Premiere von Shakespears „Hamlet“ am Freitag, 9. September, laufen auf Hochtouren.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Kostüme sind improvisiert, die Mordwaffe ist noch eine Spielzeugpistole und das Spiegelkabinett besteht bisher aus den hochkant aufgestellten Tischen einer Bierzeltganitur. Bei der Probe der Schlafzimmer-Szene zwischen Hamlet und seiner Mutter Gertrude wird das zur Nebensache. In ihren Rollen liefern sich Franziska Lather, seit Beginn der aktuellen Spielzeit festes Ensemblemitglied, und Karsten Zinser auf der Bühne einen Kampf, der den Darstellern physisch und emotional Einiges abverlangt. In diesem letzten Auftritt des dritten Aktes beschuldigt Hamlet seine Mutter des Mordes an seinem Vater, dem verstorbenen König, und des Ehebruchs mit dessen Bruder Claudius, den sie nach kurzer Zeit geheiratet hat.

Nur der Geist des Toten, gespielt von Jan Reinartz, kann ihn davon abhalten, Gertrude zu erwürgen. „Sieh, Entsetzen liegt auf deiner Mutter“, zischt seine unheilvolle Stimme aus den Lautsprechern. Seine Erscheinung ist es, die Hamlet zur Rache an seinem Onkel antreibt. Für die Probe trägt der Reinartz die Montur eines Kämpfers, zur Premiere wird er als Video auf die Bühne projiziert.

„Gib nicht so viel Effekt, sondern mehr Inhalt!“, fordert Dietrich. Mehrmals unterbricht er die laufende Szene, um den emotionalen Hintergrund der Charaktere noch einmal deutlich zu machen. Lather und Zinser sind nach diesen Besprechungen sofort wieder präsent in ihren Rolle, sie spielen mit einer Intensität und emotionalen Tiefe, die den Zuschauer in den Bann ziehen. Die Energie der Auseinandersetzung springt zwischen den Darstellern hin und her. „Du musst dem Kollegen die Spannung mitliefern“, erklärt Dietrich.

Über der Bühne hängt die dänische Flagge neben mit heraldischen Lilien bedruckten weißen Fahnen, dem  Symbol königlicher Herrschaft. Bis zu Premiere müsse noch an den „Schwesternkünsten“ gearbeitet werden, so der Intendant. Die Kostüme, das Bühnenbild und die Videotechnik sind noch in der Entwicklung begriffen. Außerdem werden die einzelnen Szenen zusammengesetzt und intensiv geprobt. Für die Darsteller sei das „mordsanstrengend“, sagt Dietrich. „Das ist Kraft, Anstrengung und emotionaler Haushalt.“

Die Schlafzimmerszene endet damit, dass Hamlet die Leiche des Polonius zur Tür hinaus schleift. „Schlimm fängt es an“, prophezeit er mit gedämpfter Stimme, „und Schlimmeres steht herein“. Diese Produktion verspricht kopflose Leidenschaft und unheilbare Mordlust.

Von Jana Probst

Karten gibt es an der Theaterkasse unter Telefon 0551/495015 dienstags bis sonnabends von 11 bis 14 Uhr.

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