Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -1 ° bedeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Kabarett im Apex Göttingen

„Und jetzt die gute Nachricht“ Kabarett im Apex Göttingen

Von Kabarettisten erwartet man eher das Gründeln im Schlechten. Uli Masuth sagt hingegen: „und jetzt die gute Nachricht“. Am Sonnabend hat der Komponist, Pianist und Kabarettist sein viertes Soloprogramm im Göttinger Apex präsentiert.

Voriger Artikel
Premiere von „Norma“ im Kasseler Staatstheater.
Nächster Artikel
Regisseur Ben Baur inszeniert „Elektra“ am Deutschen Theater Göttingen

Von Kabarettisten erwartet man eher das Gründeln im Schlechten. Uli Masuth sagt hingegen: „und jetzt die gute Nachricht“.

Göttingen. „Gute Nachrichten gibt es in Hülle und Fülle“, stellt Masuth klar. Zum Beispiel für Besitzer von VW-Wertpapieren.

„Der Kurs der Aktie hat die Talsohle fast erreicht. Jetzt kann es eigentlich nur noch besser werden.“ Alles eine Frage des Blickwinkels. Aber der Hang zur Miesepetrigkeit habe auch mit dem deutschen Wesen zu tun. Düstere Kleidung, verschränkte Arme und dazu das berühmte deutsche Lächeln, erklärt Masuth mit herunterhängenden Mundwinkeln, sei nun mal typisch deutsch.

Dabei, so die gute Nachricht, gehe es den Deutschen so gut wie nie zuvor. Angela Merkel werde nicht müde, dies immer und immer wieder in jedes Mikrofon zu tönen. Dann landet Masuth bei der Flüchtlingskrise. Und nach einem Schlenker über den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und seine „wunderbarer Neger“-Einlage redet Masuth Tacheles.

Niemand wolle, dass Menschen hungern, um ihr Leben fürchten müssen und in Flüchtlingsbaracken wie in Legebatterien zusammengepfercht werden. Andererseits, wer wolle schon auf Discounterketten, globale Vernetzung und Mobiliät zu Schnäppchenpreisen verzichten. „An der Flüchtlingskrise sind wir wohl nicht ganz unschuldig, wir, der Westen“, bilanziert Masuth.

Aber die deutschen Waffenexporte, so die gute Nachricht, stärken doch auch den Technologiestandort Deutschland. Und noch eine gute Nachricht: Einen dritten Weltkrieg könne es nicht geben. Die Ausrüstung der Bundeswehr sei zu schlecht. Und ohne Deutschland gehe es nun mal nicht.

Angenehm locker plaudernd, teilt Masuth bitterböse aus, dazu am Klavier ein romantisches Thema variierend oder einen Witz erzählend, bleibt immer wieder Zeit zum Verschnaufen für die rund 40 Zuschauer. Steuerflucht, Griechenlandkrise, Lebensmittelskandale, TTIP („ein Grundrecht auf Rendite für Unternehmen“), Ausländerfeindlichkeit, und, und, und. Die Flut an Themen ist beeindruckend.

Der Wahl-Weimarer hält den Spiegel vor, beleuchtet Hintergründe, watscht Politiker ab, schafft Zusammenhänge, holt Zitate vor, belegt Gesagtes mit Zahlen. Eine Billion Euro gehe den EU-Ländern durch Steuervermeidung jährlich verloren. Eine Summe mit der man die deutsche Energiewende oder 53 Jahre lang alle Hartz-IV-Empfänger finanzieren könne.

Masuth ist unbequem, findet aber genau den richtigen Ton und die richtige Mischung. Mit sympathisch-verschmitztem Dauergrinsen pointiert er das Ganze noch eine Spur sarkastischer. Und er versteht es, sein Publikum einzubeziehen und trotz aller Schärfe wohl gelaunt in die Nacht ziehen zu lassen.

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Akademische Orchestervereinigung Göttingen feiert 111-jähriges Bestehen