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"Verquer schön"

Kabarett mit Gernot Voltz "Verquer schön"

Was bleibt nach der Explosion einer Atombombe? Für Herrn Heuser ist die Antwort klar: „Kakerlaken und die Steuer.“ Mit seiner Figur des klischeehaften wie querdenkenden Steuerprüfers hat der Kabarettist Gernot Voltz seinem Publikum im Apex ungewohnte Perspektiven auf gewohnte Probleme eröffnet.

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Gernot Voltz als "Herr Heuser".

Quelle: R

Göttingen. „Unser Steuersystem ist göttlich, denn es gewährt Vergebung“, stellt der grau gekleidete Finanzbeamte nüchtern fest. Mittlerweile reicht die Kaufankündigung von schweizerischen Steuer-CDs aus, damit es Selbstanzeigen regnet. Doch Herr Heuser kann nicht nur nachrechnen und Steuertricks aufdecken - er rechnet auch ab. Das Steuergebaren von Fußballer Mesut Özil kommentiert der gewiefte Finanzbeamte zynisch: „Jeder Illtis im Hühnerstall hat ein besseres Sozialverhalten.“

Kein Anspruch auf konkrete Gegenleistung

Denn Steuern, erklärt Herr Heuser, entsprechen dem Solidaritätsprinzip. Der Steuerzahler hat keinen Anspruch auf eine konkrete Gegenleistung. Er kann nur alle vier Jahre über die Verwendung abstimmen. Von den Geldern werden Schulen, Straßen und Fußballstadien bezahlt. Würde man selbst bestimmen, wofür die Steuern ausgegeben werden, dann könnte es sein, dass man beispielsweise die Militärausgaben vergisst.

Temporeich und beißend durch Steueroasen und Steuergräber

Das graue Outfit und die dröge Thematik bremsen den Kabarettisten nicht aus. Temporeich und beißend führt er durch Steueroasen, Steuergräber und den Abend. Wortmeldungen aus dem Publikum bindet er so souverän ein, als hätte er sie vorher abgesprochen. Durch die Brille des Steuerbeamten ist die Welt regulierungswütig, aber bezifferbar.

Voltz glänzt als Paragrafenreiter und überrascht mit Gesangeinlagen und gewagten Hip-Hop-Moves. Das Steuergesetz ist dezidiert, aber auch verquer schön. „Fiskalisch gesehen ist der Esel der Schmetterling unter den Huftieren“, erklärt Heuser. Denn erst als Wurst kann man auf einen Esel den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent geltend machen.

Die Steuerprüfung bleibt dem Publikum erspart. Im Gegenzug gab es Applaus.

Von Jorid Engler

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