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Kabarett mit Jörg-Martin Willnauer

„Carmina Banana – Krumme Lieder “ Kabarett mit Jörg-Martin Willnauer

Lieder, Lyrik und Lesung, Gedichte, Apercus und Schuhplattler: Mit einer bunten und bitterbösen Mischung hat der Musikkabarettist Jörg-Martin Willnauer das Publikum im Clavier-Salon unterhalten. Im Programm waren „Krumme Lieder“, die nicht in die Hitparade passen.

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Bunt und bitterböse: der Musikkabarettist Jörg-Martin Willnauer (Archivbild).

Quelle: Schäfer

Göttingen. „Jeder Kabarettist ist ein Mehrkämpfer, der in verschiedenen Disziplinen arbeitet: Melodien klauen, Texte schreiben und interpretieren.“ Das Prinzip ist bewährt. Die Melodien sind wohl bekannt, das Publikum ohne langes Fremdeln schnell mittendrin. Vom Volkslied über Hits, Klassiker, Gassenhauer und Chansons bis zum Schuhplattler (samt Tanzeinlage an den Tasten) hat Jörg-Martin Willnauer ein sehr breites musikalisches Programm zusammengestellt, das er singend und Klavier spielend den gut 20 Besuchern im Clavier-Salon präsentiert.

Bitterböse, tiefschwarz, knochentrocken

Was Willnauers Humor betrifft, spielt sein Lebenslauf eine durchaus gewichtige Rolle. Im äußersten Südwesten Deutschlands geboren und in Heidelberg aufgewachsen ging er 1981 nach Graz, um dort Musik zu studieren. Und so kommt der Humor des Wahlösterreichers auch daher, wie man es aus der Heimat von Georg Kreisler und Josef Hader kennt und erwartet: bitterböse, tiefschwarz, knochentrocken.

Da macht sich Willnauer lustig über die „Mikro-Makro-Soja-Yin-und-Yang-Schwarz-Weiß-Welt“ und gewinnt bei „Arktischem Wein“ der Klimaveränderung positive Seiten ab. Die Bauwut auf der grünen Wiese konterkariert er ebenso wie Organhandel („Ham se nich, ham se nich ᾽n Herz für mich?“), Diätwahn und das Seniorenleben im Altersheim.

Kreativer Umgang mit der deutschen Sprache

In einem Gedicht hält er ein sarkastisches Loblied auf die Schönheitschirurgie und in einer literarischen Kostprobe demontiert er liebevoll-giftig den Hang zur Selbstüberschätzung in seiner Wahlheimatstadt Graz. Den kreativen Umgang mit der deutschen Sprache lässt er mittels fotografischer Schnappschüsse für sich selbst sprechen in einem besinnlich schönen Lied besondere Momente der Kindheit wieder aufleben. 

Willnauer legt kultiviert und geistreich den Finger in die Wunde. Treffsicher entlarvt er die Bruchstellen, die den Dingen, den Gegebenheiten und dem Menschlichen nun mal zumeist innewohnen. Dass er seine Pointen charmant steirisch eingefärbt vorträgt, macht seinen Humor, der dem Absonderlichen frönt, noch eine Spur bitterer. Da stürzen sich die Männer reihenweise deppert in den Tod, um den Frauen zu gefallen. Und ein Sohn wird zum Muttermörder, weil er all die Kosenamen nicht mehr erträgt. Die Leichtigkeit mit der Willnauer dabei zwischen den musikalischen Genres am Klavier wechselt, zeigt den wahren Könner.

Von Karola Hoffmann

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