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Kabarettist Django Asül in der Stadthalle

Dransfeld Kabarettist Django Asül in der Stadthalle

Kabarettist Django Asül hat am Freitag die Veranstaltungsreihe Kultur im Kreis eröffnet. In der Stadthalle in Dransfeld präsentierte der türkischstämmige Niederbayer sein Programm „Letzte Patrone“. Eine Ansammlung von Streifschüssen und ein sehr unterhaltsamer Mix aus Satire und Volkstheater.

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Kabarettist Django Asül, hier bei einem Auftritt im Deutschen Theater Göttingen.

Quelle: Peter Heller

Dransfeld. Ja, Django Asül kennt die Region. Drei Mal sei er in den vergangenen Jahren im ausverkauften Deutschen Theater aufgetreten, nur „um ein Mal nach Dransfeld kommen zu dürfen“. Das mondäne Dransfeld sei schließlich das, was Kitzbühel für München ist. Und als die Anfrage kam, ob er seinen Urlaub für den Auftritt unterbrechen würde, habe er gesagt, er komme, „... um Urlaub hier zu machen“.

Django Asül macht es seinem Publikum einfach. Die ersten zehn Minuten widmet er den Gegebenheiten vor Ort, den Begegnungen, der Historie. Sonst in deutlich größeren Hallen unterwegs, drückt er damit seinen Respekt aus und lässt die etwa 130 Zuschauer aus einem ganz anderen Blickwinkel über das schmunzeln und lachen, was sie mehr oder weniger kennen.

Und weil Tagesaktualität für den politischen Kabarettisten zum Programm gehört, schaut er natürlich auch gleich weiter nach Hannover. Feixend lässt er sich aus über die Turbulenzen um SPD-Ministerpräsident Weil und die mit der VW-Konzernspitze abgestimmte Regierungserklärung nach dem folgenreichen Wechsel einer Grünen-Politikerin zur CDU. Die Grünen als „kleiner Sargnagel“ seien nun einmal diejenigen, die „den konservativen Kern retten“ müssten. Und Django Asül nimmt gerne die Vorlage auf, um sie in sichere Pointen zu verwandeln.

„Botschafter von Niederbayern“

Nach seinem aktuellen Exkurs kommt der „Botschafter von Niederbayern“, so die offizielle Bezeichnung seit 2004, zu seinem Programm, seinem sechsten Solo-Programm. Darauf gebracht habe ihn ein Zeitungsartikel, in dem stand, dass das deutsche Volk im Schnitt jedes Jahr einige Tage älter wird. Aha, der Durchschnittsdeutsche wird nur einige Tage pro Jahr älter. Django Asül trifft das Schicksal härter: Er selbst altere pro Jahr gleich ein ganzes Jahr.

Und weil ihm so sakrisch die Zeit davon läuft, gehe es nun darum, die Restlaufzeit sinnvoll zu nutzen. Sinnstiftend will er sein, der Django Asül. In Gedanken geht der politische Kabarettist, der 1997 mit seinem ersten Programm aufgetreten ist, dazu auf Reise und nimmt sein Publikum mit. Ausgehend von seinem Mikrokosmos Hengersberg blickt der niederbayerische Lokalpatriot und ausgebildete Bankkaufmann auf den Makrokosmos und stellt dabei Fragen vom Hier und Jetzt bis zum Woanders und Früher.

Die letzte Patrone

Django Asül erzählt vom besten Freund seines Vaters und vom heimatlichen Stammtisch, wo es in kleiner Runde um große Themen geht. Um Europa und Flüchtlinge, Energiepolitik, Globalisierung und Ökonomie, um Empathie und diffuse Ängste. „Sozialstaat kann nur funktionieren, wenn alle gleich sind. Mir ist der Marokkaner gleich.“ Django Asül lässt andere reden und entlarvt dabei. Hengersberg ist überall. Dieser Stammtisch – ob es ihn nun wirklich gibt oder nicht – steht für viele Stammtische und für Volkes Meinung. Ganz einfach und mitunter auch recht brachial.

Die letzte Patrone. Mal ein Schnellschuss, mal ein Streifschuss, dann wieder trifft die Kugel auf lange Distanz, wenn ein Sachverhalt, in absurde Zusammenhänge verpackt, hintersinnig auf den Punkt kommt. Eine Pointe folgt auf die nächste. Django Asül, der mit seiner legendär gnadenlosen Fastenrede auf dem Münchner Nockherberg 2007 einen festen Platz im Kabarett-Olymp hat, ist ein genauer Beobachter und er beherrscht die hohe Kunst der richtigen Mischung. Eben noch komödiantisch albern, gleich darauf politisch bissig. Dass er zuhören kann, zeigt der Kabarettist auch bei angeregten Pausengesprächen mit Besuchern, seinem „heimlichen Hobby“.

Kultur im Kreis

Zum 12. Mal wird in diesem Jahr das Festival „Kultur im Kreis“ ausgerichtet. An unterschiedlichen Orten im Landkreis Göttingen werden noch bis zum 28. September Künstler auftreten. Eine Auswahl weiterer Veranstaltungen:

Das Schloss in Herzberg bietet am 26. August die Bühne für eine szenisch-musikalische Lesung von Jens Rosteck. Er trägt vor aus seiner Biografie der berühmten Disseuse Edith Piaf. Andrea Strube, Schauspielerin am Deutschen Theater Göttingen, singt dazu Chansons der Piaf.

Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, die beiden Flötisten des preisgekrönten Ensembles „Spark“, treten am 3. September in der Kirche in Diemarden auf.

Weltmusik auf Klarinette, Bajan-Akkordeon, Violine, Kontrabass und Perkussion mit dem Ensemble Vinorosso erklingt am 8. September in der Kirche in Landolfshausen.

Tanz zu klassischen Streichtrios von J.S. Bach mit dem Artaria-Trio und der Göttinger Ballettschule Art la Danse bildet am 28. September in der Kirche in Barterode den Abschluss des Festivals.

 Die Karten sind ab sofort in den Geschäftsstellen des Tageblattes, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich.

Weitere Informationen unter: kulturimkreis.de

Von Karola Hoffmann

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