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Kabarettist Michael Eller mit „Zwischen Rocker und Rollator“ im Apex

Schwarzer Humor Kabarettist Michael Eller mit „Zwischen Rocker und Rollator“ im Apex

Michael Eller erwartet tosenden Applaus, wenn er die Bühne betritt. Deshalb verteilt er Damenschlüpferchen an die erste Zuschauerreihe, als er im Apex zu Gast ist. In seinem Kabarett-Programm „Zwischen Rocker und Rollator“ erzählt er von der Midlife-Crisis, von Blendi, der Kinderzahnpasta, und vom ersten Besuch beim Urologen. Es sind Geschichten aus seinem Mittvierziger-Leben – und aus dem seiner Rockerfreunde.

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Kabarettistischer Altrocker: Michael Eller

Quelle: Heller

Göttingen. „So wollte man doch nie werden“, sagt Eller mehrmals an diesem Abend. „Und dann … doch!“, gibt er schulterzuckend zu. So zum Beispiel seine jüngste Einkaufs-Tour. Eine neue Biker-Jacke stand auf dem Einkaufszettel. „Ausgepackt habe ich an diesem Abend eine beigefarbenen Strickjacke mit durch Leder verstärkten Ellenbogen“, erzählt der Kabarettist kopfschüttelnd.

Zum Älterwerden gehört auch stets ein Schwank aus der Jugend. So gibt Eller zum Besten: „Ihr alle kennt den Satz, den ein jeder Vater irgendwann sagt, wenn die Diskussion mit dem Teenager zu anstrengend wird“, erzählt er und löst das Rätsel: „Solange deine Füße unter meinem Tisch stehen …!“ Eller, der an diesem Abend mit Jeansweste bekleidet und mit Totenkopfringen an den Fingern auftritt, schwört: „Das Erste, was ich mit meiner eigenen Kohle machen wollte, war, meinem Vater diesen verdammten Tisch abzukaufen.“ Das Publikum lacht laut.

Sein Programm trägt Eller ohne Accessoires, ohne musikalische Begleitung vor. Mit Leichtigkeit spricht er über die mit dem Alter kommenden Veränderungen am eigenen Körper. Da werde ein „du Hengst“ langsam aber sicher zu einem „du hängst“. Geheimratsecken entwickelten sich immer mehr zu „Ratsecken“. Und die Drogen, die man nehme, seien auch nicht mehr dieselben.

Nicht zum einzigen Mal an diesem Abend gelingt es Eller, das Publikum zu erheitern. „Immerhin seid ihr besser als Lübeck“, lobt er deshalb. Dort hätten die Gäste lediglich still in sich hineingelacht. Erstaunlich, wie unterschiedlich der Humor in den verschiedenen Gegenden Deutschlands sei, findet er. Verwunderlich sei aber auch, wie unterschiedlich Humor – und Fernsehgeschmack – sich in unterschiedlichen Ländern auspräge. Sein Lieblingsthema in diesem Zusammenhang: die RTL-Doku-Soap „Bauer sucht Frau“. Er zeigt sich überrascht über die Beliebtheit der Sendung. „Das ist doch ein fehlgeschlagenes Gen-Experiment“, ruft er aus, „Die Menschen darin gibt es doch so gar nicht, die werden doch gezüchtet.“

Erfolgreich sei sie auch in anderen Ländern. „In Polen ist das dann ‚Bauer klaut Frau‘, im Iran ‚Bauer haut Frau‘“, scherzt er. Ellers Witze sind häufig klischeebelastet, teilweise moralisch fragwürdig. Der Kabarettist spricht Dinge aus, die vielleicht nicht ausgesprochen werden sollten. Und doch gelingt es dem Frankfurter den gesamten Abend über, das Publikum zum Lachen zu bringen. Vielleicht deshalb heißt sein neues Programm dann auch „Ich geh‘ dann mal … zu weit“.

Von Theresa Hellwig

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