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Kabarettist Schmidtke gastiert im Göttinger Apex

„Hetzkasper – Zu blöd für Burnout“ Kabarettist Schmidtke gastiert im Göttinger Apex

Der Künstler lässt sich Zeit. In einem schwarzen Cordanzug sitzt Henning Schmidtke am Klavier und spielt. Er verbreitet ein paar Allgemeinplätze darüber, dass in der Ruhe die Kraft liege, dass wir alle an einem Strang zögen und dass aber auch niemand gesagt habe, dass es leicht sein würde.

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Redet über Entschleunigung und das kapitalistische System: Henning Schmidtke.

Quelle: Vetter

Göttingen. Und tatsächlich schafft Schmidtke es damit, die Gäste im Apex bereits nach zwei Minuten zum beseelten Mitsingen zu bewegen. Umso tiefer trifft die Pointe, wenn aus „Wir sitzen alle in einem Boot“, plötzlich der thematische Übergang zu Lampedusa und der aktuellen Flüchtlingssituation erfolgt.

In seinem Programm „Hetzkasper – Zu blöd für Burnout“, versteht Schmidtke es, nicht nur Lebensweisheiten über Entschleunigung zu postulieren, sondern auch das kapitalistische System zu analysieren. Man müsse alles hinterfragen, sagt er.

In zynischen, manchmal bitterbösen Witzen zeichnet er offen seine linkspolitische Kritik. Er zitiert liberale Parolen, entlarvt das dahinter verborgene menschenfeindliche Weltbild und schafft so eine angenehme Erleichterung im Saal. Schmidtke wird auf der Bühne zu einem Prediger des Unbekümmerten und Gemächlichen, seine Witze werden zur Absolution für die Alltagsgestressten.  

Publikum schweigt mit ihm

Nach einem Trab durch die Welt des Fernsehens und der Castingshows, ein paar Beteuerungen, dass früher vieles besser war und der Erkenntnis, dass Leistung in Geld gemessen wird, setzt er sich einfach hin, schlägt die Beine übereinander und schweigt. Das Publikum schweigt mit ihm. Eine ganze Weile.

Es ist entspannt, es ist entschleunigt. Schmidtke nimmt ein Spiegel-Magazin aus dem letzten Jahr zur Hand und blättert gemächlich darin herum. So könne man sehen, was sich in der Welt verändert habe, sagt er.

Er meint es ernst mit der Leistungsverweigerung. Gehetzte Entertainer sehen anders aus. An dieser Stelle die Veranstaltung zu beenden wäre nur konsequent, der größte Teil der Anwesenden wäre damit vielleicht sogar zufrieden gewesen. Schmidtke weiß jedoch sein Publikum zu schätzen und setzt er sein Programm fort, aber eben ganz gelassen.

Trivialität und Ablehnung

In der Welt des Sports findet er Metaphern, um den sinnentleerten Zeitdruck zu illustrieren. Er erzählt von den 400-Meter-Läufern, deren Ziel nach 45 Sekunden, doch wieder auf dem Startpunkt liegt und wundert sich darüber, dass der Mensch das einzige Tier sei, dass rückwärts höher springe, als vorwärts.

Schmidtke ist ein ordentlicher Pianist und ein eher mäßiger Sänger, der sich gerne in hohe Tonlagen begibt. Überragend hingegen sind seine Herbert Grönemeyer- und Udo Lindenberg-Parodien, die minutenlanges Gelächter bei den Zuschauern auslösen.

Vielleicht ist es genau das, was es dem Publikum so leicht macht, sich einzulassen auf diese Mischung aus Trivialität und Ablehnung des Leistungszwangs. Schmidtke ist aber auch ein Kabarettist mit einer deutlichen politischen Botschaft: Wir ziehen alle an einem Strang.

Von Serafia Johansson

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