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Kabarettist Sebastian Schnoy im Göttinger Apex

Von Napoleon lernen Kabarettist Sebastian Schnoy im Göttinger Apex

Geschichte ist ein Evergreen unter den deutschen Schulfächern. Und das aus einem einfachen Grund, weil die Menschen aus der Vergangenheit lernen sollten.

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Humor ist auch eine Form, sich abzugrenezen: Sebastian Schnoy.

Quelle: Heller

Göttingen. Das findet auch Sebastian Schnoy: „Kann man aus der Geschichte lernen? Ich glaube ja – wenn man sich mal was merken würde. Ich gebe euch ein Beispiel: Napoleon wurde vom Winter überrascht. Hitler wurde vom Winter überrascht. Und die Deutsche Bahn wird jedes Jahr vom Winter überrascht.“

Der Kabarettist aus Hamburg präsentiert mit seinem Programm „Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt“ im vollbesetztem Apex einen Abend voller historischer Details und witziger Fakten. Da wird zum Beispiel der römische Senator Tacitus zitiert, der über die Vorfahren der Deutschen wenig schmeichelhaft geschrieben haben soll: „Die Germanen sind oft betrunken. Feste enden immer in einer Schlägerei.“

Schnoys Programm setzt sich aus Anekdoten aus der Geschichte und witzigen Eigenarten aus der Jetztzeit zusammen. Römer und Germanen haben in seinem Programm daher ebenso Platz, wie die zunehmende Komplexität der heutigen technisierten Welt. Besonders lohnend wird sein Programm aber, wenn er beide Ebenen miteinander in Beziehung setzt.

So stimmt es nachdenklich, wenn Schnoy über das Volk der Sumerer erzählt, das weit vor Christi Geburt bereits eine komplexe Keilschrift besaß, und Warenlisten von Schiffen noch heute von Steuerprüfern auf ihre Richtigkeit inspiziert werden können. Die Sumerer lebten in Mesopotamien, zwischen Euphrat und Tigris, „das sind heute nur noch Koordinaten für amerikanische Bomber, wo diese die Klappen aufmachen sollen.“ Schnoys Programm kommt an. Die Zuschauer lachen viel, machen mit, wenn der Kabarettist Umfragen startet und rufen das ein oder andere Mal etwas auf die Bühne.

Trotzdem scheint Schnoy das Gefühl zu haben, sich für einige Witze rechtfertigen zu müssen, etwa wenn des um Hitler und die NS-Zeit geht. „Ich seid keine schlechten Menschen, wenn ihr darüber lacht“, findet der Hamburger. Für ihn ist Humor auch eine Form sich abzugrenzen: „Ich glaube, je trauriger eine Sache ist, desto mehr sollte man darüber lachen.“

Beim Publikum kommt die Sichtweise des Hamburgers sehr gut an. Am Ende gibt es langen Applaus.

Von Daniela Lottmann

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