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Kabarettist Willnauer spielt und singt Werke von Georg Kreisler im Claviersalon

Lob vom Altmeister Kabarettist Willnauer spielt und singt Werke von Georg Kreisler im Claviersalon

Er ist kein Wiener, nicht einmal Österreicher und nach eigenem Bekunden nur Klavierspieler, kein Pianist. Dennoch tourt der Kabarettist Jörg-Martin Willnauer – 1957 in Heidelberg geboren, seit 1981 in Graz ansässig – mit Liedern von Georg Kreisler.

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Macht einen Bogen um die Kreisler-Hits: Jörg-Martin Willnauer bei seinem Konzert im Claviersalon.

Quelle: Schäfer

Göttingen. Und er hat dazu sozusagen auch die Genehmigung des 2011 gestorbenen Altmeisters des Chansons: Kreisler hat Willnauer für die Interpretation seiner Lieder sogar brieflich gelobt.

Ob Willnauer dieses Lob bei seinem Auftritt am Sonnabend im voll besetzten Claviersalon unbedingt hätte vorlesen müssen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall beherrscht der Wahl-Grazer eine Fülle der gut 500 hinterlassenen Lieder Kreislers hervorragend. So gut, als seien es eigene.

Schön, dass er um die meisten Kreisler-Hits einen Bogen machte. Weder der Musikkritiker noch das Triangel noch die Tango tanzenden alten Damen standen auf seinem Programm. „Tauben vergiften“ war die einzige Konzession an die Wiederhörens-Sehnsucht. Stattdessen präsentierte Willnauer eine Fülle von weniger bekannten Liedern, die immer wieder eine erstaunliche Aktualität beweisen, auch wenn sie meist schon mehrere Jahrzehnte alt sind. Etwa „Ich fühl mich nicht zu Hause“ aus den „Nichtarischen Arien“ von 1963, ein ergreifend-vergnügliches Lied über Heimatlosigkeit, oder „Das Begräbnis der Freiheit“ aus „Rette sich, wer kann“ von 1976, das heute vielleicht aktueller ist als damals. Sehr zeitnah böse auch die Lieder „Der Staatsbeamte“ und „Zu Hause ist der Tod“, die Kreisler 1979 herausbrachte („Mit dem Rücken gegen die Wand“). Hier und da mixte Willnauer unter die Kreisler-Lieder ein paar eigene Chansons, die stilistisch dicht am Vorbild sind.

Willnauer singt selbstverständlich etwas anders als Kreisler. Seine Stimme hat ein dunkleres Timbre, hier und da scheint er auch etwas Angst vor höheren Lagen zu haben, die Kreisler beherrschte. Manchmal hätte man sich auch eine größere Lockerheit gewünscht – Kreislers Texte hatten zwar fast immer einen ernsten Hintergrund, aber der öffnete sich häufig erst dann, wenn man zuvor ausgiebig gelacht oder wenigstens herzlich geschmunzelt hatte. Im manchmal etwas zu lauten Klavierspiel ist Willnauer ausgesprochen flüssig und treffsicher, auch wenn er nicht die virtuose pianistische Leichtigkeit seines Vorbilds besitzt.

In der Zugabe „Schatzi-Mausi“, einem eigenen Lied, zeigte Willnauer noch einmal auf sehr vergnügliche Weise an 48 Kosenamen, dass er in puncto Zungenfertigkeit Kreisler nahekommt. Was die Applaus­freudigkeit des Publikums noch erheblich steigerte.

Von Michael Schäfer

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