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Kammerchor St. Jacobi Göttingen stellt A-cappella-Reiseprogramm vor

Glaubensgewissheit und Trauer Kammerchor St. Jacobi Göttingen stellt A-cappella-Reiseprogramm vor

Mit einem abwechslungsreichen A-cappella-Programm aus dem Barock und dem 20. Jahrhundert unternimmt der Göttinger Kammerchor St. Jacobi eine einwöchige Konzertreise nach Sachsen. Am Freitag, dem Tag vor der Abfahrt, hat der Chor dieses Programm in der Jacobikirche vorgestellt.

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Göttinger Kammerchor St. Jacobi (hier bei einem Auftritt mit dem Göttinger Symphonie-Orchester) tourt eine Woche lang durch Sachsen.

Quelle: Heller/Archiv

Göttingen. Geplant sind Auftritte in der Leipziger Thomaskirche, in Annaberg, Kohren-Sahlis und Chemnitz unter der Leitung von Stefan Kordes.

 

Drei 1623 erschienene Evange­liensprüche von Melchior Franck standen am Anfang: sehr plastische musikalische Ausdeutungen von Bibelsprüchen („Also hat Gott die Welt geliebet“, „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ und „Gleichwie der Blitz ausgehet“), die der Chor ausdrucksstark gestaltete. In heftigem Kontrast zu diesen glaubensgewissen Sätzen stand die Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die der Dresdner Kreuzkantor Rudolf Mauersberger als tief bewegendes Zeichen der Trauer um den Untergang seiner Heimatstadt im Bombenkrieg 1945 komponiert hat.

 
Satztechnisch besonders anspruchsvoll waren die beiden Motetten „Die mit Tränen säen“ und „Zion spricht“ von Johann Hermann Schein. Der Sicherheit der Choristen merkte man deutlich an, mit welcher Sorgfalt diese Sätze einstudiert waren. Und erstaunlicherweise wirkte diese frühbarocke Musik gar nicht so weit entfernt von den ebenfalls komplexen Klängen des „Exultate deo“, einer acht­stimmigen Psalmvertonung von Francis Poulenc aus dem Jahre 1941. Hier gab es an wenigen Stellen leichte Intonationstrübungen, die die Sängerinnen und Sänger aber rasch korrigierten.

 
Mit einer Toccata von Frescobaldi verschaffte Kordes seinem Chor eine kleine Verschnaufpause: gespielt auf der einmanualigen italienischen Orgel, und zwar in nicht temperierter Stimmung. Das hat zur Folge, dass manche Intervalle ziemlich schräg klingen – ein heute überraschender Effekt, der aber im frühen 17. Jahrhundert die Regel war. Spannend zu erleben, wie Musik vor 400 Jahren geklungen hat.

 
Mit Bachs groß dimensionierter Motette „Jesu, meine Freude“ setzte der Kammerchor einen sehr eindrucksvollen Schlusspunkt, ausgesprochen sicher, ausdrucksintensiv und stimmlich ausgewogen. Helle, junge Soprane setzten kleine Glanzlichter – nur dem Alt hätte man manchmal größere Durchschlagskraft gewünscht. Begeisterter Beifall in der voll besetzten Kirche.

 

Von Michael Schäfer

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