Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Kammermusik im Welfenschloss in Hann. Münden

Händel-Festspiele Kammermusik im Welfenschloss in Hann. Münden

Noch gar nicht so lange gibt es die Auftaktkonzerte der Göttinger Händel-Festspiele rund zwei Wochen vor dem Festspiel-Start. Diesmal hatte Laurence Cummings das Welfenschloss Hann. Münden als Konzertort ausgesucht. Dort gastierte er am Sonntag zusammen mit dem Oboisten Andreas Helm.

Voriger Artikel
GSO-Chefdirigent Mueller verlässt Göttingen 2018
Nächster Artikel
Serenade im Alten Rathaus Göttingen

Laurence Cummings (l.) und Andreas Helm

Quelle: Schäfer

Hann. Münden. Der Rittersaal ist ein bildschöner Rahmen für ein Kammermusik-Konzert. Das wissen die Mündener, die – zusammen mit etlichen Besuchern aus Göttingen und der Region – in großer Zahl gekommen waren. Nur wenige Stühle blieben leer.

Die Barockoboe ganz intensiv

Das Programm umfasste dreimal Händel, dreimal Couperin (Onkel Louis und Neffe François) und einmal François Chauvon, bot also einen Blick auf die Beziehungen zwischen Händel und seinen französischen Zeitgenossen. Dass man hier den Klang der Barockoboe einmal ganz intensiv studieren konnte, der sich in barocker Ensemblemusik sonst gern mit Violinen mischt, machte den speziellen Reiz dieses Konzerts aus.

Helm beherrscht die Barockoboe sehr virtuos. Das mag man möglicherweise bei Konzerten der Händel-Festspiele voraussetzen, doch ist es im Falle dieses Instruments nicht eben selbstverständlich. Denn statt der ausgeklügelten Klappentechnik der modernen Oboe verfügt die Barockoboe vorwiegend über Grifflöcher, die (ganz oder teilweise) direkt mit den Fingern geschlossen werden, was bisweilen zu sehr komplizierten Grifffolgen führt. Wehe, wenn man sich da verheddert …

Kultivierte Gesprächspartner

Solche Pannen gab es selbstverständlich nirgends, stattdessen konnten die Zuhörer blühende, ungemein lebendige, singende Töne der Oboe genießen, die Cummings am Cembalo gleichsam mit feinster Klöppelspitze umwand. Überhaupt ist die Barockoboe im Duo mit dem Cembalo ein sehr kultivierter Gesprächspartner, hier munter parlierend, dort nachdenklich, bisweilen auch klagend. Das Konzertmotto „The eloquent oboe“ passte dazu vortrefflich.

Solistisch steuerte Cummings dazu Cembalosuiten bei, immer flexibel in den Tempi, perfekt in Artikulation und Phrasierung, nirgends unbeseelt mechanisch im Spiel, sondern geistreich, voller Spielfreude. Dazu zeigte er viel Freude am barocken Zierrat: hier ein Prallerchen, dort ein Triller – und das auch in den rasendsten Tempi.

Der Beifall prasselte entsprechend, der Dank: die Arie „Tune your harps“ aus Händels Oratorium „Esther“, ganz leicht und schlank gesungen vom cembalo­spielenden Cummings im Dialog mit der Oboe. Traumhaft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Literaturherbst
Liest beim Literaturherbst: Thea Dorn.

Ein sonderbares Paar hat Schriftstellerin Thea Dorn erfunden, um Biomedizin und Romantik, Erfindergeist und Forschergewissen darzustellen. Im Deutschen Theater stellte Dorn am Sonntag ihren Roman "Die Unglückseligen" vor im Programm des Göttinger Literaturfestivals "Der Herbst im Frühling".

  • Kommentare
mehr
Von Redakteur Michael Schäfer

Die Milchbar im Nörgelbuff