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Unangestrengte Leichtigkeit

Händel-Festspiele Unangestrengte Leichtigkeit

Sie sind die Eckpfeiler des Göttinger Händel-Festspielorchesters: Susanne Regel (Oboe), Elizabeth Blumenstock (Violine), Phoebe Carrai (Violoncello) und Laurence Cummings (Cembalo) haben am Mittwoch in Quartettbesetzung das Publikum im Muthaus mit barocker Kammermusik verzaubert. Ein hinreißender Abend.

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Von links: Elizabeth Blumenstock, Laurence Cummings, Susanne Regel und Phoebe Carrai.

Quelle: Schäfer

Hardegsen. Welch schöne Farben, welche lebendige Gesten, welch kultivierter Ton, welche Spritzigkeit – man kommt leicht ins Schwärmen, wenn man die Qualitäten dieser Musiker zu beschreiben beginnt. Zwei Triosonaten von Händel bildeten den Rahmen, dazwischen – in belebend wechselnder Besetzung – eine Cellosonate von Alessandro Scarlatti, eine Violinsonate von Francesco Geminiani, eine Cembalo-Solosonate von Thomas Arne und eine Ouvertüre von Georg Philipp Telemann.

Es war nicht nur die wechselnde Besetzung, die dieses Programm derart abwechslungsreich machte. Dazu gehörte vor allem die perfekt aufeinander abgestimmte Spielweise in diesem Festspiel-Quartett. Musikalischer Wortführer ist nie ein einziger, sondern stets der, der das musikalisch wichtigste Argument vorbringt. So entsteht eine ganz geschmeidige Interaktion, ein lebendiges Frage- und Antwort-Spiel, eine kultivierte Konversation.

Das ist Kammermusik vom Feinsten. Ihre Basis ist selbstverständlich eine große technische Meisterschaft, eine Virtuosität, dank derer auch die irrwitzigsten Sprünge und die wirbelndsten Läufe mit ganz unangestrengter Leichtigkeit präsentiert werden. Wunderbar das Zusammenwirken der ausdrucksvollen, tonschönen Oboenkantilenen mit den munter hüpfenden Kontrapunkten der Streicher, die, wenn es nötig ist, aber auch ebenso ausdrucksstark singen können wie die Oboe, hier seufzen oder klagen, dort fröhlich tirilieren oder triumphieren.

In der Geminiani-Sonate bestach Elizabeth Blumenstock mit ihrem federleichten, im Druck des Bogens ungemein fein differenzierten Violinton. Phoebe Carrai gestaltete die langsamen Sätzen der Scarlatti-Sonate, als seien es Opernarien. Im Finale („Irlandoise“) der vielsätzigen Telemann-Ouvertüre schlug Oboistin Susanne Regel bezaubernde folkloristische Töne an. Und Laurence Cummings führte in der Arne-Sonate nicht nur konturenscharfe Gestaltung mit unaufdringlicher Virtuosität vor, sondern auch viel Klangsinn und gleichsam atmende Tempi.

Anders als üblich bedankten sich die Musiker für den begeisterten Schlussbeifall nicht etwa mit einer rasanten, sondern mit einer besonders lyrischen Zugabe: dem Largo aus Händels Triosonate HWV 386, dessen wunderbaren instrumentalen Gesang der Komponist dreimal in Arien wiederverwendet hat. Ein großartiges Konzert an einem lindlüftigen Frühlingsabend.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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