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Kapelsky & Marina im Göttinger Apex

Zarathustra tanzt Polka Kapelsky & Marina im Göttinger Apex

„Ostperanto-Folkjazz” nennt das Quartett aus dem Ruhrgebiet sein Repertoire. Die Musiker geben traditionellen Klezmer-Songs durch ihre individuelle Überarbeitung eine ganz eigene und zeitgenössische Note. Mit diesem Mix aus Balkanfolklore, Jazz, Klezmer, und Pop waren Kapelsky & Marina nun zu Gast im Apex.

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Charismatisch: Sängerin Marina Frenk mit Gitarrist Gregor Hengesbach und dem Geiger Jan-Sebastian Weichsel.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Neben der moldawischen Sängerin Marina Frenk besteht das Quartett aus Jan-Sebastian Weichsel (Violine, Bratsche und Mandoline
) Gregor Hengesbach (Gitarre)
 und Michael Ashauer (Kontrabass). Und die vermischen dann im Laufe des Konzertes mit großer Spielfreude und augenzwinkernder Ironie auf der Grundlage von traditionellem Gypsy-Swing à la Django Reinhardt Klezmer mit Balkanklängen und zeitgenössischem Jazz zu ganz eigenen Arrangements.

 
Ganz dicht am Bühnenrand haben sich die Musiker positioniert. Sie suchen die Nähe zum Publikum. Dieses erreichen sie hörbar gleich zu Beginn mit ihrer humorvollen Adaption von Richard Strauss´ sinfonischer Dichtung „Also sprach Zarathustra“. Die verlegen sie mal kurz auf den Balkan und lassen sie in ein russisches Volkslied übergehen. Frenk singt vorwiegend in russischer Sprache und  fasziniert stimmlich und mit ihrer gestenreichen, stark mimischen Darbietung. Sie hat ein Schauspielstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen absolviert.

 
Diesen Hintergrund lebt sie im Laufe des Abends mit skurrilen fiktiven Geschichten aus. Darin ist sie auf der Suche nach Geld für ihre Miete und die Zähne ihrer Großmutter. Oder es geht nach Molwanien, wo die Sprache nur aus Konsonanten besteht. Ein Schneesturm wird musikalisch nach Kuba verlegt, und Frenk stößt dazu tierische Laute aus. Da der 20-köpfige Kosakenchor im Zoll hängengeblieben ist, muss ihn das Publikum mit einem kräftigen “Hey“ in „Klezmer a-Moll“ ersetzen. Atemberaubend ist das Violinenspiel von Weichsel in dem Stück. Überhaupt brillieren die Musiker mit einem unerschöpflichen Einfallsreichtum.

 
Zwischendurch darf das Publikum Stücke erraten. Die erste richtige Antwort wird mit einem Button belohnt. „Girl“ von den Beatles hat Frenk ins Russische übersetzt und heißt nun „Devchonka“. „Nardis“ von Miles Davis wird kurzerhand in den Orient geschickt. Dem Trauma durch eine Fehlbuchung auf einem Elektrofestival begegnet die Band mit ihrer ganz eigenen furiosen Fassung von Elektropolka. Zum Ende des Konzertes verneigen sie sich vor einer großen Balkansängerin. Britney Spears´ „ Oops!...I did it again“  wird zum Gypsy-Swing.

 
Standing Ovation verabschieden eine Band, die dank der humorvollen Darbietung ein Riesenspaß fürs Ohr und auch Auge war.

 

Von Jörg Linnhoff

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