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Katharina Ramser inszeniert „Zerbombt“ im Deutschen Theater

An die Grenzen Katharina Ramser inszeniert „Zerbombt“ im Deutschen Theater

Komödien haben ihren Platz im Spielplan eines Theaters, auch Familienstücke. „Doch wir müssen die Bühne auch mit dem belasten, was notwendig ist“, erklärte Erich Sidler im Anschluss an die Premiere des Stückes „Zerbombt“ am Donnerstagabend.

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Gewalt gegen Gewalt: Cate (Andrea Strube) versucht, sich gegen Ian (Gabriel Raab) zu wehren.

Quelle: Müller

Göttingen. Und belastend ist das, was auf der Vorbühne im Großen Haus – also ganz dicht an den Zuschauern – passiert. Eine Produktion, die Schauspieler und Besucher an Grenzen bringt, weil sie unverblümt ist und drastisch.

Die Engländerin Sarah Kane schrieb „Zerbombt“ mit Anfang 20. Im Kern geht es um eine Beziehung voller übelster Verletzungen von sprachlicher bis zu körperlicher Gewalt. Ian und Cate waren einmal ein Liebespaar, jetzt treffen sie sich nach längerer Zeit in einem noblen Hotelzimmer. Ian steuert sofort das Bett an, doch Cate will nicht. Die Gewalt, die nicht nur durch die Verweigerung ausgelöst wird, sondern von Anfang an gärt, gleitet über in einen Krieg der alles um das Paar erfasst. Eine Bombe verwüstet das Zimmer, ein Soldat dringt ein.

Kane hat das Stück realistisch angelegt, doch mit der Wucht griechischer Tragödien ausgestattet. Regisseurin Katharina Ramser ist ihr gefolgt und hat sich weitgehend an das gehalten, was die Autorin vorgab. Einzig die Figur der Cate machte sie älter, um sie nicht nur als Opfer zu zeigen, hatte Ramser im Vorfeld erklärt. Das wäre vielleicht gar nicht notwendig gewesen, denn alle Figuren erscheinen ausgesprochen facettenreich, was auch an der großen Schauspielkunst liegt, die das Darstellertrio zeigt.

Gabriel Raabs Ian ist tätowiert wie ein Neonazi oder Hooligan. Er arbeitet als Journalist, ist aber bewaffnet. Das Ausüben von Gewalt bereitet ihm offensichtlich Vergnügen, vor allem, wenn es eine Frau trifft. Cate, sehr berührend gespielt von Andrea Strube, steht dem erst einmal erstaunt gegenüber, doch wirklich wehren kann sie sich auch später nicht. Vielleicht will sie das auch nicht. Egal, was Ian ihr antut, sie kommt zu ihm zurück. Benjamin Krüger bringt als Soldat schließlich die öffentliche Gewalt in das Zimmer, die allgegenwärtige, der sich niemand entziehen kann, vielleicht nicht mal der, der vergewaltigt und tötet.

Nach einer Stunde ist viel Asche auf die Bühne gerieselt, das, was übrig bleibt, wenn alles zerbombt ist. Drei bemerkenswerte Schauspieler kommen sichtlich erschöpft für den Applaus an die Rampe. Erschöpft sind auch die, die applaudieren – bei der Premiere übrigens nicht das übliche Publikum, sondern sehr viele jüngere Besucher.

Die nächsten Vorstellungen: 18., 22. und 24. November sowie am 12. Dezember um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05 51 / 49 69 11.
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