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Katharina Thalbach liest in Waaker Kirche

Märchenwochen und Kultur im Kreis Katharina Thalbach liest in Waaker Kirche

Im Laufe ihrer Karriere stand sie auf den größten Bühnen des Landes, arbeitete mit den bedeutendsten Regisseuren, erhielt zahlreiche Preise und ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen: Katharina Thalbach. Am Sonnabend hat sie in der Kirche in Waake Märchen der Brüder Grimm gelesen.

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Begeisternd: Katharina Thalbach.

Quelle: Heller

Waake. Man kann es sich gut vorstellen, dass Pastorin Wiebke Vielhauer den Anruf, ob sie Interesse hätte an einer Lesung mit Katharina Thalbach in der Kirche in Waake, erst einmal für einen Telefonscherz hielt. Aber zur zehnten Göttinger Märchenwoche haben der Arbeitskreis „Kultur im Kreis“, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde und der Verein Göttinger Märchenland die Lesung mit der Künstlerin, die „mit Stimme und Dramatik Kinder und Erwachsene gleichermaßen seit Jahrzehnten begeistern kann“, tatsächlich realisiert.

Und jetzt steht Katharina Thalbach im Altarraum und erklimmt mit breitem Grinsen und von Riesen-Applaus begleitet die Empore. Mit 1,54 Meter Körpergröße auf einer Kanzel stehen und lesen, da braucht es einen Schemel. Und den hält die beliebte Schauspielerin erst einmal schelmisch in die Höhe und erntet dafür laute Lacher. „Ich freue mich hier zu sein in so einer tollen Kirche“, begrüßt sie das Publikum unter der prächtigen Deckenbemalung. Blaues Himmelsgewölbe mit goldenen Sternen und Schäfchen-Wolken – ein wahrlich märchenhafter Rahmen.

Das erste Märchen zu lesen, sei ihr eine große Freude, sagt Thalbach, „weil ich es auch einmal spielen durfte – das Rumpelstilzchen“. Und so lässt sie das böse kleine Männchen „schnurrrr“ Stroh zu Gold spinnen für den Lohn, der Königin erstes Kind zu bekommen. Mit ihrer außergewöhnlichen und tiefen Stimme krächzt, kreischt und krakeelt Thalbach der Filmfigur „Gollum“ mitunter ähnlich, dass es eine helle Freude ist.

Die Theater- und Filmschauspielerin, Regisseurin und Hörspiel-Sprecherin, die in den vergangenen Jahren zunehmend auch in Kinder- und Familienfilmen wie „Hanni und Nanni“ und „Hände weg von Mississippi“ brillierte, weiß sehr genau, wie sie die Grimmschen Märchenfiguren zu viel Leben erwecken kann. Unprätentiös, die Brille auf der Nasenspitze, den ganzen Körper pointiert eingesetzt und das Gelesene mit Mimik und Gestik unterstreichend, verleiht Thalbach den Figuren eigene Stimmen, die sie in Höhen, Klang und Sprechweise variiert.

Sie lässt „das tapfere Schneiderlein“ stolzieren wie einen Pfau, Riesen wütend aufeinander losgehen, „die Scholle“ neidisch rufen und die verschlagene Hexe in „Das blaue Licht“ zahnlos nuscheln. Die Zuschauer, darunter auch einige Kinder und Jugendliche, bekommen einiges zu hören, zu sehen und zu lachen. Wie sehr Thalbach ihr Publikum im Griff hat, merkt man vor allem in den Momenten, in denen sie flüstert. Die Zuschauer sind mucksmäuschenstill und lauschen gebannt.

Die etwa 70-minütige szenische Lesung beendet die Berlinerin mit ihrem „Lieblingsmärchen“. Nach einigen recht schrillen Charakteren lässt sie nun mit ganz warmer, mitfühlender Stimme „Die Sterntaler“ vom Himmel fallen. Und unter aufbrandendem Applaus verabschiedet sich Thalbach Handküsschen werfend und mit breitem Lachen. Eine beeindruckende Frau mit bemerkenswerter Ausstrahlung.

Von Karola Hoffmann

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