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„Kein Sein, sondern ein Werden“

Literaturherbst „Kein Sein, sondern ein Werden“

Mit seinem Buch wolle er ein Angebot machen, nicht dogmatisch belehren, sagte Manfred Geier zu Beginn seiner Lesung. Damit verpflichtet er sich einer Idee, von der sein Werk handelt.

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Der Idee der Aufklärung verpflichtet: Manfred Geier.

Quelle: Vetter

„Aufklärung. Das europäische Projekt“ ist der Titel des Buches, das der Germanist im Alten Rathaus vor rund 70 Zuhörern präsentierte. Hans Erich Bödeker vom Max Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin moderierte.

Über eine kollektive Biographie habe er eine Mentalitätsgeschichte der Aufklärung schreiben wollen, erklärt Geier. Der 69-Jährige zeichnet den Weg von sieben Menschen nach, die für die Aufklärung gestritten haben. Zu sprechen kam er auf Immanuel Kant und John Locke. Bei der Lesung ging es ihm eher um die verbindende und ins Jetzt hineinragende Idee.

Die Aufklärung, betonte er, sei keine Epoche, die hinter uns liege. Sie sei, sagte Geier mit Kant, kein Sein, sondern ein Werden. „Der Prozess der Aufklärung hat permanent mit Rückschritten zu tun“, so Geier weiter. Denn dem Versuch, zu einer selbstbestimmten Lebensweise zu gelangen, stehe immer die Vormundschaft gegenüber, die diesen Schritt verwehre.

Das betonte Geier auch, als es um den vielzitierten Ausspruch von Kant ging: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. (...) Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Kant weise hier darauf hin, dass der Mensch über den Verstand verfüge, aber nicht den Mut habe, ihn gegenüber Machthabern einzusetzen. Die Aufklärung sei darum an Öffentlichkeit gebunden, könne nicht im Privaten stattfinden.  Gleichzeitig könne sie nicht in Form einer Lehre weitergegeben werden, sondern bloß ein „Vorbild“, eine „Einladung“ sein.

Hier schaltete sich zum ersten Mal Bödeker lebhaft ein. Aufklärung sei eben nicht nur die Kritik gegenüber anderen. Das Hinterfragen der eigenen Maß­stäbe gehöre dazu, und das führe dazu, dass es keine orthodoxe Position geben könne. Für Geier ist die Aufklärung ein „europäisches Projekt mit universalem Anspruch“. Locke sei der erste gewesen, der mit der Trias Liberty, Life, Estate Menschenrechte formuliert habe, betonte er. Menschenrechtler auf der ganzen Welt handelten in der Tradition der Aufklärung, für Geier ein Grund zum Optimismus. Die Idee der Aufklärung ist für ihn ein „Gut, das bis heute lebendig geblieben ist“.

Manfred Geier: „Aufklärung. Das europäische Projekt“. Rowohlt, 416 Seiten, 24,95 Euro.

Von Telse Wenzel

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