Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Kinder, flankiert von Wölfen und Schlangen

Ausstellung Kinder, flankiert von Wölfen und Schlangen

Ein Fuchs zerfleischt sich, zwischen Zweigen im Unterholz halb verborgen, in Lars von Triers jüngstem Film „Antichrist“. Als der Farn zur Seite gebogen wird, spricht er mit einer seltsam verzerrten Stimme: „Chaos regiert“. Er symbolisiert das Bild einer dämonischen, unberechenbaren Natur.

Voriger Artikel
Liebenswürdige musikalische Epoche
Nächster Artikel
Zuckersüße Keyboardmelodien

Lauern hier Abgründe? Malgosia Jankoska vor einem ihrer großformatigen Waldbilder.

Quelle: Heller

Auch in Malgosia Jankowskas Bildern von einer idyllisch-arkadischen Natur, „Arkadia“, die derzeit im Apex zu sehen sind, scheinen Abgründe zu lauern. In großformatigen Waldlandschaften sind kleine Kinder zu sehen, flankiert von Wölfen, übergroßen Schlangen, Hirschgeweihen, Fliegenpilzen. Ganz allein im großen, weiten Wald sind sie mit sich beschäftigt, schauen zu Boden oder vom Betrachter weg, allein die Tiere sehen ihn an. Sie sagen nicht, dass das Chaos regiert, aber auch sie scheinen bei aller Stille und der Traumlandschaftlichkeit der oft im Schnee situierten Arrangements zu sagen, dass diese Idylle von Bergen, hohen Tannen, Buchen oder Waldseen nicht trägt, nicht tragen kann.

Jankowska arbeitet mit Filzstiften und Aquarellfarbe, aber nicht in Aquarelltechnik auf Papier. Strich um Strich zieht sie mit dem Pinsel, formt die Rinden der Bäume, deutlich und dunkel im Vordergrund, immer heller und weicher in Richtung Hintergrund. Die Möglichkeiten der Flüchtigkeit des Aquarells werden nicht wahrgenommen, stattdessen mit der Stetigkeit des Fleißes einer ausführlichen Zeichnung kontrastiert. Das Haar der Jungen, auch Bergkämme oder Kleidungsstücke, hat sie mit feinem Filzstiftstrich gezogen, in ihrem zeichnerisch-realistischen Gestus widersprechen sie dem Aquarell nur deshalb nicht, weil es in gleicher Weise linear verwendet wird. Der Einsatz von sehr wenigen Farbtönen, mal ist eine Zeichnung ganz schwarz auf weißem Papiergrund, mal rot, mal ein wenig wechselnder, unterstützt den zeichnerischen Charakter.

Verwirrend wirkt neben dieser Genauigkeit ein gewisser Nebel, der überall wartet, der die Farben verblassen lässt oder aufhellt, die Lichtverhältnisse, aber auch die Beziehung von Figur und Grund auf den Bildern ins Unstimmige oder Absurde kippen lässt. Abgründe allerdings lauern hier wohl doch nicht, eher ein Verweis auf Märchen und Mythen, Collagen von Vorlagen.

Bis 1. Juni, mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen.

Von Tina Lüers

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag