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Klänge aus dem Ozean

Syrische Musiker im Apex Klänge aus dem Ozean

Ungewöhnliche Klänge gab es auf der Kulturbühne des Apex zu hören. Youssef Nassif aus Syrien spielte eigene Kompositionen und traditionell arabische Lieder auf dem Kanun, einer orientalischen Kastenzither. Begleitet wurde er dabei von dem ebenfalls aus Syrien stammenden Cellisten Basilius Alawad.

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Cellist Basilius Alawad (l.) mit Youssef Nassif am Kanun im Apex.

Quelle: Linnhoff

Göttingen. Das Kanun stammt aus dem 10. Jahrhundert und hat bis heute einen festen Platz in der Musik orientalischer Länder wie Syrien, Ägypten oder der Türkei. Das trapezförmige Instrument ist aus Holz gefertigt und mit 63 bis 84 Saiten bespannt. Je drei Saiten sind dabei einem Ton zugeordnet.

Auf seiner Tour durch Europa stellt Nassif nun sein 2015 veröffentlichtes Album „Man´s Journey“ gemeinsam mit Alawad vor. Beide Musiker leben seit einigen Jahren in Deutschland. Nassifs vorwiegend eigene Kompositionen führen auf eine musikalische Reise in unterschiedliche Länder dieser Erde. Das Repertoire umfasst verschiedene Stilrichtungen, klingt mal stark orientalisch, mal westlich orientiert und reicht von Klassik bis Jazz.

Mit der „Etud“ geht es sehr lebhaft los. Die Finger von Nassif scheinen förmlich über die Saiten des Kanuns zu springen und erzeugen dabei in schneller Folge helle, fast glockenartige Töne. Das Instrument wird dabei auf den Oberschenkeln liegend mit der Längsseite zum Körper hin gespielt. „Man´s Journey“, das Titelstück der CD beginnt mit perkussiven Anschlägen Alawads auf den Hals seines Cellos. Orientalische Klänge, sehr nuanciert, fast zart gespielt sind zu hören.

„Arabesque“, ein Solostück für das Kanun, klingt fast tänzerisch leicht, sehr virtuos und mit großer Fingerfertigkeit von Nassif dargeboten. Auch Alawad spielt mit seinem Instrument, indem er es immer mal wieder als Perkussionsgrundlage benutzt oder die Saiten rhythmisch zupft. So erklingen meist schwungvolle Melodien, die, wie in „Feeling“, auch mal fast scherzhaft enden. Die Annäherung zur E-Musik finden sie mit ihrer Adaption aus Vivaldis „Die Vier Jahreszeiten“ und dem „Largo c Es-Dur“ aus „Der Winter“.

Der Reiz im kongenialen Zusammenspiel der beiden Musiker ergibt sich aus dem Kontrast, den die Klangfarben ihrer Instrumente setzen. Den hellen, leichten, springenden Klängen des Kanuns stehen die meist dunklen, getragenen, ja fast klagend dramatisch klingenden Töne des Cellos gegenüber.

Mit „Voice from the ocean“, „Klänge aus dem Ozean“, wie Nassif mit einem Schmunzeln übersetzt, endet das Konzert abrupt. Großer Applaus, gepaart mit Bravo-Rufen, entlockt den sympathischen Musikern mit „Africa“ noch einen weiteren Höhepunkt des Abends.

Von Jörg Linnhoff

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