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Klang, Tanz und Kunst

Linien-Festival Klang, Tanz und Kunst

Das „Linien Festival Neue Musik“ endet am heutigen Montag. Seit Freitag hat das Team um den Göttinger Festival-Organisator Nils König die Lokhalle zum Ort neuer Musik und moderner Kunst gemacht.

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Bringt Farbe in den Wintergarten: Die Installation „Mobiles Spiel“ von Lilly Stehling.

Quelle: Heller

Mit der „Spielwiese“ als interaktivem und kunstspartenübergreifendem Klangerlebnis wartete das Linien Festival auch in der Göttinger Lokhalle auf. Klanginstallationen und Performances sowie begeh- und mitgestaltbare Skulpturen luden das Publikum am Sonnabend und Sonntag ein, Weite und Möglichkeiten von Tonlinien und Klängen auch auf eigene Faust zu erkunden.

Besonders faszinierend: Der „Soundwalk Göttingen“, als Station des deutschlandweiten Klangzugs im Rahmen des Projekts „sounding D“. Dabei fügen sich einzelne Tonspuren mit Göttingen-typischen Klängen – von Geräuschen der Siedepfanne in der Saline Luisenhall, über Pausenklingeln im Deutschen Theater, bis hin zum Geschirrklappern in der Zentralmensa oder dem Glockenspiel in der Lange-Geismar-Straße zu einer einzigartigen Göttingen Symphonie zusammen. Am Sonnabend interpretierte Butoh-Tanzkünstler Tadashi Endo den Soundwalk tänzerisch.

Endos Darbietung wie auch die der Ballettschule Art la Danse mit modernem Tanz zu Neuer Musik zum Titel „Visual Lines – 21 Minutes“ behaupteten sich in der Weite der eindrucksvollen Lokhalle. Die weitestgehend leergeräumt den Besuchern ihre Dimension offenbarte und als Kulisse beeindruckte.
Das gelang ebenso mit dem Foyerraum. Hier betonten fragile Installationen von Lilly Stehling die mächtigen Eisenträger. Unterstrich das Lichtspiel Architekturlinien ebenso wie Josefh Dellegs unbetitelte Glühbirnen-Reihe oder die an große Mikado-Stäbe als „Ungerichtet – Ausgerichtet“ Installation von Christel Irmscher. Dazu sorgte improvisierte Musik mit Metall und Gongs des Duos „Hati“ aus Thornoder des studentischen Ensembles „musica viva“ für Hörerlebnisse ungewohnter, neuer Art in der Lokhalle.

GSO überzeugt auf ungewohntem Terrain

Das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller eröffnete am Freitagabend das „Linien Festival Neue Musik“. Mit Werken von Chadwick, Ives, Cage und Adams zeigte das GSO in der Lokhalle kompositorische Entwicklungslinien us-amerikanischer Musik als klingende Geschichte auf.

George Chadwick zählte zur ersten Komponistengeneration, die „amerikanische“ Musik schreiben wollte. Obwohl auf dem Boden europäischer Tradition verwurzelt, kennzeichnet seine „Symphonic Sketches“ (1904) der Einsatz von volksmusikalischen Elementen oder afro-karibischen Rhythmen.
Charles Ives setzte mit seinem Schaffen einen experimentelleren Kontrapunkt im Musikgeschehen nach der Jahrhundertwende. Eines seiner ersten Werke ist „Variations on America“ (1891), in der die bekannte Melodie auf humorvolle, fast karikierende Weise zum Beispiel als Marsch oder Polonaise präsentiert wird. In der Raumkomposition „The Unanswered Question“ (1906) verschärft Ives das Gegeneinander. Auf tonalen Choralakkorden in den Streichern spielt ein atonal strukturierter Dialog in Form von Frage und Antwort zwischen Trompete und Querflöte. Dabei ging die dynamische Dramaturgie, von Mueller besonders herausgearbeitet, treffend mit dem metaphysischen Sujet des Werks einher.

John Cages Arbeit ist von einem Spannungsverhältnis zwischen Struktur und Freiheit durchströmt. Er liefert keinen ausnotierten Notentext, sondern lässt einen definierten Spielraum zur Interpretation. In „Atlas Eclipticalis“ (1962) sollen so bis zu 86 Spieler, zwei bis unendlich viele Minuten nach einem festen Schema musizieren.

Die „Chairman Dances“ (1985) aus der Oper „Nixon in China“ von John Adams rundeten den Abend mit weniger experimentellen Klängen ab. Auf repetitiven, rhythmisch verhakten Pattern bauten sich so langsam eingängige harmonische Linien auf, die das Orchester präzise und differenziert herausstellte. Dabei agierte das Orchester mit viel Spielfreude auf dem musikalisch ungewohnten Terrain.

Von Angela Brünjes, Karoline Jirikowski-Winter und Rhea Maria Richter

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