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Klare Konturen

Abschluss der Nachtschwärmer-Konzerte Klare Konturen

Ein ausladendes Kammermusikwerk stand am Sonnabend auf dem Programm der „Klassik für Nachtschwärmer“ in St. Johannis: das Trio élégiaque op. 9 von Sergej Rachmaninow. Der Komponist hat es 1893 unter dem unmittelbaren Eindruck des plötzlichen Todes von Peter Tschaikowsky geschrieben.

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Ein Porträt des Komponisten Sergej Rachmaninow.

Quelle: R

Göttingen. Breit und ausführlich lässt Rachmaninow die Gefühle der Trauer in diesem Trio strömen. Gut eine Dreiviertelstunde dauert das dreisätzige Werk, das seinen Interpreten ein hohes Maß an Virtuosität abverlangt. Damit hatten sich die drei Göttinger Musiker – der Geiger Henning Vater, der Cellist Frank Scheller und Johannis-Kantor Berndt Eberhardt am Flügel – einer anspruchsvollen Aufgabe gestellt, die sie mit großer Sorgfalt und Klangsinn erfüllten.

Als Pianist hat Rachmaninow den Klavierpart dieses Trios besonders reich bedacht. Die Feinstrukturen dieses Parts lassen sich im Nachhall des Kirchenschiffs nicht sehr transparent darstellen. Doch gelang es Eberhardt immer wieder, auch zart glitzende Diskantlinien hörbar zu machen – und er hielt sich stets klug zurück, um nicht die Streicherkollegen mit der Wucht seiner Bassakkorde und virtuosen Laufkaskaden zuzudecken.

Ohnehin konnten sich Vater und Scheller sehr wohl klanglich selbstbewusst behaupten. Den klagenden Gesang, den Rachmaninow in diesem Werk so edel strömen lässt, gestalteten beide mit sattem Strich – und mit Hingabe. Wobei Vater der Musik mit dem hellen Diskant seiner Violine immer wieder besonders klare Konturen verlieh. Die inspirierte, leidenschaftliche Aufführung hinterließ bei den zahlreichen Zuhörern im gut gefüllten Mittelschiff von St. Johannis einen tiefen Eindruck – der lang anhaltende Schlussapplaus begann erst nach Augenblicken der Stille.

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NDR2 Soundcheck in Göttingen: Musikszene Deutschland