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Klaus Bäuerle über Männer und Frauen

Kabarett im Apex Klaus Bäuerle über Männer und Frauen

Sein Programm „Drei Männer braucht die Frau“ hat Klaus Bäuerle am Sonnabend im ausverkauften Göttinger Apex vorgestellt. Der Kabarett-Abend zeigte unter anderem, dass das rheinische Grundgesetz „Man muss auch gönnen können“ im Alltag und in der Liebe nicht immer so leicht umzusetzen ist.

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Klaus Bäuerle begeisterte im Apex mit seiner Wandlungsfähigkeit.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Hang, es mit der Treue nicht gar so eng zu nehmen, wird – soviel Klischee muss sein – in der Regel Männern zugesprochen. Tja, wäre da nicht Annabelle. Reich soll er sein, schön und klug. Und weil so ein Mannsbild nur recht schwer zu finden ist, gönnt sie sich gleich drei.

Ein Mann, drei Rollen

Eben diese drei Männer verkörpert Klaus Bäuerle in einem kabarettistischen Bühnenstück. Drei Typen, deren Beziehung zu einer Frau so ziemlich das Einzige ist, was sie an Gemeinsamkeit haben. Da ist der stets reflektierte, etwas verklemmte Psychologe Hans Kleinmann, der noch an innere Werte und die wahre Liebe glaubt und nachts immer wieder albträumt, auf einem Maskenball zu sein, verkleidet als Minuszeichen.

Und der badische Pharmaunternehmer Horst Eber, der breit grinsend, leicht cholerisch und mit viel Geld im Leben steht und vor Selbstbewusstsein nur so strotzt („Mein Nachname isch eine erotische Prophezeiung“). Schließlich bandelt (die unsichtbare) Annabelle noch mit dem jungen Türken Cem an, der sein unausgegorenes Gefühlsleben immer wieder in coolen Rap-Songs zum Besten gibt. Und natürlich eskaliert die Situation mit überraschendem Ausgang.

Der Freiburger Kabarettist und Bühnenautor gibt drei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wie schon in mehr als 500 Vorstellungen zuvor lässt er sie baggern und rackern, buhlen, fluchen, hoffen, lamentieren und lieben. Nur wenige Requisiten – eine Perücke, eine Brille, ein Jackett und ein Käppi – genügen ihm, um im schnellen Wechsel und mit großer Wandlungsfähigkeit drei klar umrissene Charaktere und drei ganz unterschiedliche Lebensentwürfe auf die Bühne zu bringen. In Monologen lässt er die Zuschauer tief in das Innenleben des Männer-Trios blicken.

Wie deppert manche doch sind

Mit Ironie und viel Wortwitz entlarvt Bäuerle Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Unsicherheiten, das alltägliche Konkurrenzdenken und den kleinen Rassismus. Er hinterfragt gesellschaftliche und soziale Gegebenheiten, Klischees und Lebensentwürfe. Besonders schön ist der Moment, wenn aus der Ahnung Gewissheit wird, dass die Leben der drei Männer zusammenhängen und sich früher oder später durchkreuzen werden. Das baut sehr gekonnt Reibung und Spannung auf. Und das Prinzip, sich eins ins Fäustchen zu lachen, wie deppert manche Leute in Liebesdingen, und wohl nicht nur darin sind, hat schon im Hit „Die da!?!“ der Hip-Hop-Gruppe „Die Fantastischen Vier“ funktioniert.

Bäuerle, der schon zu Studentenzeiten als Kabarettist und Musikclown angefangen hat, spielt sehr körperbetont und schauspielerisch auf hohem Niveau. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus für den sehr unterhaltsamen Abend.

Von Karola Hoffmann

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