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Klaus Spürkel und Glenn Walbaum spielen „Sonny boys“ im Apex Göttingen

Witz, Weisheit und Absurditäten Klaus Spürkel und Glenn Walbaum spielen „Sonny boys“ im Apex Göttingen

Zwei alte Herren granteln, wie es im Buche steht. Am Schluss gibt es eine Art Versöhnung. Mehr passiert nicht in „Sunny boys“ von Neil Simon, einer vergnüglichen Boulevardkomödie, die am Dienstag im Apex als Gastspiel gezeigt wurde: mit Klaus Spürkel und Glenn Walbaum.

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Streithansel: Harald (Klaus Spürkel, links) und Johannes (Glenn Walbaum).   

Quelle: EF

Göttingen. Berühmt geworden ist Simons Stück vor allem durch den 1975 gedrehten Film mit Walter Matthau und George Burns in den Hauptrollen. Spürkel – der im alten Kopfbahnhof von Riegel nördlich von Freiburg im Breisgau ein kleines Theater betreibt – und Walbaum haben die Komödie um zwei alt gewordene Schauspieler kondensiert. Sie haben sämtliche entbehrlichen (also alle) Nebenfiguren gestrichen, die Schauplätze auf ein einziges Zimmer reduziert, das Wohnzimmer von Harald.

Harald (Spürkel) hat seine besten Jahre längst hinter sich. Berühmt geworden ist er seinerzeit zusammen mit seinem Schauspielerkollegen Johannes (Walbaum) in einem Doktor-Sketch, mit dem sie jahrzehntelang Erfolg hatten. Zerstritten haben sie sich damals („Seit zwölf Jahren sprechen wir kein einziges Wort miteinander“), nun aber will das ZDF den alten Sketch noch einmal aufwärmen und ködert Harald mit einer fürstlichen Gage. Sie ist so hoch, dass Harald tatsächlich Johannes zur Probe einlädt. Und die Dauer-Feinde sind sich einig: „Wenn du dagegen bist, bin ich auch dagegen, aber ich mache mit.“

Doch brechen bei der ersten Probe die alten Konflikte wieder auf, einer nach dem anderen. Der Streit spitzt sich zu, gipfelt schließlich im Dissens darüber, ob Doktor Harald seinen Patienten Johannes mit dem gewohnten „Herein“ oder aber mit einem „Herrreinspaziert!“ ins Zimmer bitten soll. Die Probe platzt, die Aufregung hat böse Folgen: Harald bekommt einen Herzklabaster. Später stattet ihm Johannes einen Besuch ab. Und ganz, ganz sachte macht sich die alte Feindschaft aus dem Staub.

Spürkel hat ein wunderbar sprechendes Mienenspiel, setzt die Pointen treffsicher, lügt, schmeichelt, poltert, ist herrlich selbstverliebt. Walbaum gibt den Gegenpart eine Spur zurückhaltender, vielleicht nicht ganz so lebensnah wie der Kollege. Aber beiden gelingt es, aus einem amerikanischen Filmstoff ein packendes Kammerspiel zu machen, in dem Witz, Weisheit und Absurditäten gleichberechtigt ihren Platz haben.

Von Michael Schäfer

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