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Klavierabend mit drei Pianistinnen im Clavier-Salon Göttingen

Herausforderung für junge Interpreten Klavierabend mit drei Pianistinnen im Clavier-Salon Göttingen

Das Spätwerk von Komponisten ist technisch und emotional oft besonders anspruchsvoll und eine Herausforderung für junge Interpreten. Am Donnerstag stand im Clavier-Salon von Gerrit Zitterbart eine „Schubertiade“ mit Klavierwerken aus dem Spätwerk von Franz Schubert (1797–1828) auf dem Programm.

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Alvyda Zdanevičiūtė (l.), Gi Ran Jung (M.) und Ju Hyeon Lee.

Quelle: Pförtner

Göttingen. In der intimen Atmosphäre des kleinen Raumes mit den historischen Flügeln spielten drei seiner Studentinnen, die er in Hannover unterrichtet – allesamt junge Musikerinnen, die bereits international Preise auf Wettbewerben gewonnen haben.

Aus der inneren Versenkung heraus lotete Alvyda Zdanevičiūtė in Schuberts Sonate a-Moll D 784 (1822) unterschiedliche Stimmungen zwischen fröhlicher Melancholie und aufwühlendem Affekt aus. Die 22-Jährige aus Litauen wählte sich ein Werk, das angenehm reduziert wirkt und auf blendende Effekte weitgehend verzichtet.

Die Pianistin begeisterte auf dem modernen Flügel aus dem Jahre 1898 mit dem zarten Wechselspiel der Gefühle, erstaunlich reifem Ausdruck und sehr musikalischem Spiel.

Einen charmanten Kontrast zeigte Gi Ran Jung am gleichen Instrument. Ihre Interpretation von Schuberts drei Klavierstücken D 946 (1828) war von einer hellen Klarheit im Klang durchzogen. Ihre Töne leuchteten. Mit Gespür für Nuancen spielte sie mal kraftvoll und mal verträumt. Die 25-jährige Koreanerin erspürte in diesen, nach dem Tod des Komponisten herausgegebenen Stücken das Geheimnisvolle in den Harmonien und Melodien.

Nach der Pause begab Ju Hyeon Lee auf eine Zeitreise. Am historischen Flügel, der etwa 1825 in Wien gebaut wurde, entführte sie in die authentische Klangwelt von Schuberts Zeit. Das Instrument klingt dezenter – bietet dafür aber eine Faszination des Zarten.

Die Koreanerin wählte sich mit der großen Sonate A-Dur D 959 (1828) eines der größten Klavierwerke des Wiener Frühromantikers. Mit langem Atem ging die 25-Jährige das Werk an, spielte vielfältig im Ausdruck und setzte eigene Akzente. Ihre beeindruckende Interpretation des phantasievollen Werkes wirkte wie ein psychologisches Porträt Schuberts bei dem viele Facetten seiner komplexen Persönlichkeit erklangen.

Eines bewies dieser Abend: Auch junge Interpretinnen meistern überzeugend das anspruchsvolle Spätwerk eines Komponisten. Dafür bekamen die drei Pianistinnen im ausverkauften Salon reichlich Applaus.
Das nächste Konzert im Clavier-Salon, Stumpfebiel 4 in Göttingen: Am Donnerstag 20. August, spielt Richard Schwennicke Werke von Haydn, Beet­hoven, Chopin und Scriabin.

Von Udo Hinz

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