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Klavierspieler Alexander Krichel im Konzert mit Göttinger Symphonie Orchester

Federnd leichte Klänge Klavierspieler Alexander Krichel im Konzert mit Göttinger Symphonie Orchester

Ein Dirigent, der programmiert? Doch, das gibt es. Christoph-Mathias Mueller, Chefdirigent des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO), benutzt stets dieses Wort – und meint nicht etwa einen Computer, sondern die Gestaltung der Konzertprogramme einer Saison.

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Mit dem Göttinger Symphonie Orchester: Pianist Alexander Krichel und Gastdirigent Kevin Griffiths (von links)

Quelle: Pförtner

Göttingen. Seine Programmierung des Konzerts am Freitag war außergewöhnlich: drei der vier Werke sind extrem selten im Konzertsaal zu hören, aber ganz zu Unrecht, wie dieser bezaubernde Abend unter der Leitung des aus London stammenden, in Basel wirkenden Gastdirigenten Kevin Griffiths bewies.

Gleich die Eröffnung war eine Überraschung. Bruno Maderna (1920-1972), dem avantgardistischen Kreis um Stockhausen und Nono nahestehend, hat die hübsche Idee gehabt, englische Cembalostücke aus der Shakespeare-Zeit für kleines Orchester zu bearbeiten.

Diese „Music of Gaity“ besteht aus fünf graziösen Miniaturen mit feinen solistischen Aufgaben für Violine (Stephanie Lichtmeß) und Oboe (Tiagro Coimbra), die dem transparent und elastisch musizierenden Orchester kleine Glanzlichter aufsetzen.

Schon hier zeigte Griffiths ein feines Gespür für die Ausbalancierung des Klanges, mit dem er anschließend in Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 414 die Gewichte zwischen Soloklavier und Orchester perfekt verteilte. Mit dem 25-jährigen Pianisten Alexander Krichel hatte dieses Konzert einen differenziert gestaltenden Solisten, der dem großen Konzertflügel bemerkenswert zarte, federnd leichte Klänge entlockte.

„Reich mir die Hand, mein Leben“

In den perlenden Läufen zeigte sich eine brillante Virtuosität, dank derer auch die anschließenden Variationen Chopins über Mozarts „Reich mir die Hand, mein Leben“ glitzerten und Funken sprühten. Man ahnte, welches Aufsehen der 19-jährige Chopin bei der Uraufführung dieses Werkes 1829 in Wien erregt haben muss.

Ohne Zugabe wollte das Publikum den Solisten nicht ziehen lassen. Krichel bedankte sich mit einer atemberaubend virtuosen Klavierversion des Gitarrenstückes „El diablo suelto“, das der Venezolaner Heraclio Fernández (1851-1886) komponiert hat.

Nicht minder hinreißend war das Finale des Abends, Strawinskys Ballettmusik „Le Baiser de la fée“ (Der Kuss der Fee). Das 1928 komponierte Werk führt ein Schattendasein im Repertoire – völlig zu Unrecht. Strawinsky verknüpft hier auf meisterhafte Art Themen und Motive Tschaikowskys – das Ballett entstand aus Anlass des 35. Todestages jenes Komponisten – mit seiner charakteristischen Tonsprache, rhythmisch markant, betörend mit einer Fülle von Orchesterfarben, ausdrucksstark, aber nie sentimental, sondern immer mit einem guten Schuss frischer Luft, die Tschaikowskys Themen nicht selten auf intelligente Weise durcheinanderwirbelt.

„Wiegenlied im Land der Ewigkeit“

Das ist keine leichte Kost für die Orchestermusiker, die mit vielen solistischen Aufgaben betraut sind. Wenigstens einige seien namentlich hervorgehoben: etwa die ausdrucksstarke Soloflöte von Bettina Bormuth, die weich strahlenden Spitzentöne des Hornisten John Feider, der sich auch von extremer Höhenlage nicht schrecken ließ, dazu das fein abgestimmte Quartett der Streicher-Stimmführer (Stephanie Lichtmeß, Christina Toparkus, Atsushi Komatsu-Hayakawa und Joachim Mittelbach).

Dirigent Griffiths musizierte ausgesprochen spannend mit dem hoch motivierten, konzentrierten Orchester. Und auch ohne ein Finale mit beifallslockenden Schlusseffekten – das Ballett klingt leise und langsam aus mit einem „Wiegenlied im Land der Ewigkeit“ – zeigte das Publikum, dass es von dieser Programmierung begeistert war. Der rauschende Schlussapplaus wollte kaum enden.

Das nächste GSO-Konzert: „Geschichten à la carte“, Promenadenkonzert unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller mit Reinhold Friedrich (Trompete) am Freitag, 7. November, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2.

Von Michael Schäfer

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