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"Kleine Könige“ mit eigenem Stil

Konferenz: Treffen der Figurentheater "Kleine Könige“ mit eigenem Stil

Die erste Deutsche Figurentheater-Konferenz steht vom 29. August bis zum 4. September im Theater der Nacht in Northeim auf dem Programm. Mehr als 30 Figurentheaterbühnen kommen zusammen, um zu forschen und zu lernen. Zwei Vorstellungen, eine Figurenparade und die „Nacht der Puppen“ sind geplant.

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Ruth Brockhausen, Gründerin des Theaters der Nacht, mit der Klappmaulpuppe Herr Heidegger.

Quelle: dpa

Northeim. „Es ist ein Novum, dass wir als die beiden größten deutschen Puppenspielverbände zusammengehen“, erklärt Ruth Brockhausen, Intendantin des Theaters der Nacht. Erstmals trifft sich die deutsche Unima, ein Teil der internationalen Puppenspielorganisation „Union Internationale de la Marionette“, mit dem Verband deutsche Puppentheater (VDP) zur Figurentheater-Konferenz.

Das Theater der Nacht in Northeim, das seit 2003 auch Domizil der Geschäftsstelle der Unima Deutschland ist, öffnet eine Woche lang seine Türen für ein hochkarätiges Treffen mit Kollegen aus Deutschland und dem Ausland. Mehr als 30 Figurentheaterbühnen mit mehr als 40 Teilnehmern aus ganz Deutschland wollen eine Woche lang miteinander forschen, lernen und die Kunst des Figurenspiels neu entdecken. Bei der Konferenz gehe es auch darum, „Theorie und Praxis für die eigene Arbeit ein Stück weit miteinander zu verknüpfen“.

Das Programm

Die Aufführung „The King“, Spiel: Neville Tranter, ist am Montag, 29. August, um 20 Uhr im Theater der Nacht, Obere Straße 1, zu sehen. „crinkled – zwei Leben, gefaltet, zerknittert, geknüllt“ titelt die 2,5-stündige Aufführung von Alice Therese Gottschalk (Spiel) und Frank Soehnle (Regie) am Freitag, 2. September, um 19.30 Uhr.

Eine Figurenparade durch die Northeimer Altstadt startet am Sonnabend, 3. September, um 11.30 Uhr am Theater. Die Abschlussshow „Die Nacht der Puppen“ gibt es abends um 20 Uhr.

Die Kongressteilnehmer haben die Möglichkeit, bei internationalen Größen des Figurenspiels zu lernen, sich in selbstinitiierten Projekten untereinander auszutauschen und während eines wissenschaftlichen Theoriesymposiums über die Kunst des Puppen- und Figurenspiels nachzudenken. Die drei Dozenten zeigen ihre außergewöhnlichen Arbeiten auch Besuchern.

Von Neville Tranter ist die Aufführung „The King“ zu sehen, von Alice Therese Gottschalk und Frank Soehnle „Crinkled – zwei Leben, gefaltet, zerknittert, geknüllt“. Bei einem Umzug durch die Stadt und in einer „Nacht der Puppen“ präsentieren die Konferenzteilnehmer ihre Arbeiten.

„Wir hatten schon mehrere kleine internationale Festivals im Haus. Jetzt wollen wir das mal ausprobieren mit Kollegen aus Deutschland“, sagt Ruth Brockhausen, die auch Vorsitzende der Unima Deutschland ist. „Puppenspieler sind alle kleine Könige, die in ihrem Königreich schalten und walten und für sich arbeiten. Mir war es ein Anliegen, sie nicht nur diskutierend an einen Tisch zu kriegen, sondern sie auch spielend, nachdenkend und forschend zu versammeln, um die eigene Kunstform auch ein Stück weiterzuentwickeln.“ Ein anspruchsvolles Vorhaben, weil viele Puppentheater einen eigenen Stil und künstlerischen Ausdruck pflegen.

In keiner anderen Kunstform habe sich in den vergangenen 40, 50 Jahren so viel getan wie im Puppentheater, erklärt die Intendantin, die mit ihrem Ehemann Heiko Brockhausen 1988 das Theater der Nacht gegründet hat. Vom Genretheater, also vom Straßentheater- und Varieté- beziehungsweise Zirkusgenre hat sich das Puppenspiel über Stadttheaterniveau bis hin zu außergewöhnlichen Inszenierungen in Inhalt und Form weiterentwickelt. Über die Konferenz hinaus tagt außerdem die Europäische Kommission der internationalen Unima.

Dozenten und Veranstalter

Neville Tranter, ein in den Niederlanden lebender Australier und anerkannter Meister des Figurentheaters mit Klappmaul-Puppen, gilt als einer der großen Erneuerer der Puppentheater-Kunst. Seine eindringlichen Inszenierungen sind gleichermaßen poetisch und von schwarzem Humor geprägt. Tranter ist auch regelmäßig mit eigenen Produktionen im Programm der Göttinger Figurentheatertage vertreten.

Frank Soehnle gründete 1991 sein „figuren theater tübingen“, das mit Gastspielen auf Festivals und Tourneen in 45 Länder unterwegs war. Als Schüler von Albrecht Roser ist er der Marionette treu geblieben. Aber seine Theaterfiguren sind grazile, zerbrechlich wirkende Fantasiefiguren. Neben traditionellen Puppentheaterformen nutzt er die Bereiche Objekt- und Materialtheater genauso wie Schauspiel, Kunst und Musik.

Alice Therese Gottschalk belegte zahlreiche Workshops, unter anderem bei Roser. Im Jahr 2000 begann sie an der Schauspielschule „Ernst-Busch“ in Berlin mit dem Studium des Figurentheaters, ihr Diplom erhielt sie 2004 an der „Hochschule für Musik und

Darstellende Kunst“ in Stuttgart. Seitdem entwickelt sie mit anderen Künstlern neue Stücke, gestaltet Ausstattungen und führt Regie.

Von Karola Hoffmann

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